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und das allgemeinste Kennzeichen der magischen Rombegeiste-rung ist, welche die Romfahrer der ganzen Welt seit Winkel-mann erhebt und verbindet.
Diese Erhebung ist unmittelbar angeknüpft an jenes Jahr-zehnt und an jene Bewegung, welche räumlich in der Stadt Rom und persönlich in dem großen Ligurer, Giuliano della Rovere verkörpert erscheint.
Genauer gesprochen beruht jene Bewegung in der lebendigenVerbindung des klassischen Altertums und der italienischen Re-naissance, wie sie in dem Bewußtsein Julius’ II. und seiner Be-rater und Helfer: Sangallo, Bramante, Michelangelo und Raffael ,mächtig wirkte.
Ein starker Niederschlag dieser Bewegung ist die Begrün-dung der Museen des Belvedere und des Vatikans. Symboli-siert ist sie in der Aufstellung des Apollo von Belvedere undder Laokoon-Gruppe im Cortile del Belvedere.
Julius II. , welcher mit der Sammlung und Aufstellung vonantiken Skulpturen schon als junger Kardinal begonnen hatte,und dann das Museum Belvedere bestimmte, eine großartigeSammelstätte antiker Bildwerke zu werden, war, so kann mansägen, der humanistische Schöpfer jener praktischen Renaissance,welche die Grundlage für die gesamte klassische Anschauungs-bildung der neuzeitlichen Welt geworden ist.
Uber die Vorgeschichte der großartigen MuseumstätigkeitJulius’ II. ist zu berichten:
Zur Zeit Poggios (13Bo—1459) begann man in Rom , nachdem Vorbild Colas di Rienzo, „römische Altertümer“ als etwasAufbewahrungswertes zu betrachten. Damalige römische Ge-lehrte glaubten feststellen zu können, daß in Rom nur fünfantike Statuen vorhanden seien, welche ihre alte öffentlicheAufstellung beibehalten hätten.
Der Gedanke, Reste der Antike ausfindig zu machen undzu sammeln, lag also nahe und hat wohl auch zu gelegentlichenarchäologischen Rettungen geführt. Aber erst Papst Paul II. (1464—1471) sammelte systematisch und erfolgreich. Seine