Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1258
Einzelbild herunterladen
 

1258

Rom von 1492 bis 1592

Die andere große Straße, welche Rom Julius II. verdankt,ist die Lungara auf dem rechten Tiberufer. Er ließ sie gerademachen, und wollte sie am Tiber fort bis nach Ripa Grande führen. Doch belebte sich die Lungara nicht.

An ihrem Ende hatten die Riarii und der Kardinal FarneseLandhäuser und Gärten, und dort baute sich auch AgostinaChigi eine Villa, die unter dem späteren Namen der Farnesinaberühmt geworden ist.

XIII.

Die sienesische Familie der Chigi war zur Zeit Sixtus IV. nach Rom gekommen und durch Wechselgeschäfte reich ge-worden. Lorenzo Chigi wurde bei jenem Trümmersturz imVatikan erschlagen, welcher das Leben Alexanders VI. bedrohthatte. Agostino, Gismondo und Francesco Chigi bildeten sichim Bankhause der Spanocchi aus, und dieses übernahm AgostinoChigi im Jahre 1509. Sein Geschäft blühte durch großartigeUnternehmungen und die Verbindung mit der Kurie. Er wurdeFinanzrat und Vertrauter Julius II .

Der Reichtum des Agostino Chigi wuchs so hoch, daß mansein Einkommen auf 70 000 Dukaten schätzte, was zu jener Zeiteine sehr große Rente war. Er hatte hundert Schiffe auf denMeeren, und Handelshäuser in Lyon, London , Constantinopel,Amsterdam, selbst in Babylon . Der Orient ehrte ihn undnannte ihnden großen christlichen Kaufmann. Sein Kreditwar unermeßlich; er beherrschte den Geldmarkt seiner Zeit.Viele Fürsten machten Anleihen bei seinem Hause. Dem PapstJulius lieh er 400 000 Dukaten ohne Zinsen gegen das Pfand derTiara Pauls II.

Chigi ließ durch Baldassare Peruzzi aus Siena (14811537),den geistvollen Architekten und Maler, zwischen den Ufern desTibers und der Lungara ein einfaches Landhaus von edlen Ver-hältnissen und anmutigem Stil,die Farnesina erbauen, dasMuster eines bürgerlichen Lustsitzes von feinstem Geschmack.Peruzzi bedeckte die Außenseite des Gebäudes mit Malereien inChiaroscuro (die man heute nicht mehr sieht). Er malte in der