gesiedelt, wo er wie mit Alexander VI. so auch mit Julius II. infreundlichem Verhältnis lebte.
Nachdem er 1512 in der Schlacht von Ravenna von denFranzosen gefangen genommen, sodann, auf dem Transportnach Frankreich , der Gefangenschaft entronnen war, hatte er,in Verbindung mit dem spanischen Heer, seiner Familie zurabermaligen Beherrschung von Florenz verholfen, wo sein NeffeLorenzo Generalkapitän der Republik wurde.
Von Florenz aus ließ sich Giovanni Medici auf die Nach-richt von dem Tode Julius’ II., krank, in einer Sänfte nach Rom tragen, wo er erst am 6 . März eintraf und an seiner offenen,unheilbaren Wunde operiert wurde.
Uber den Eindruck seiner Erwählung wird berichtet: *)
Ganz Italien begrüßte seine Wahl mit Freude. Es war wieein nationales Ereignis, daß aus dem hochberühmten Hause desCosimo und Lorenzo ein Papst hervorging.
Seit Cosimo hatte sich der Ruhm der Medici der Welt un-verlöschbar eingedrückt. Ihrer staatsmännischen, finanziellenund kulturgeschichtlichen Größe war kein anderes Haus gleichgekommen. Als sie nun nach ihrem tiefen Fall unter Pierosich wieder so hoch aufrichteten, erwachten auch die über-spanntesten Erwartungen von dem Papsttum Leos X.
Am ii. April 1513 fand der feierliche Einzug Leos X. inRom statt, dessen genau überlieferte Einzelheiten hier mit-geteilt seien, zur Veranschaulichung der stadtrömischen öffent-lichen Feste in dieser Zeitepoche.
Ganz Rom war in Bewegung. Die Straßen waren festlichgeschmückt. In bestimmten Entfernungen waren längs der
*) Ohne Bedeutung für die Aufnahme, welcher Leos Regierungsantritt be-gegnete, und nur ein Beispiel der Spottlust und des immer bereiten Witzes derRömer, ist die Deutung der Jahreszahl MCCCCL in einer vatikanischen InschriftEugens IV., von welcher nur die Ziffern lesbar geblieben waren. „Multi caecicardinales creavere caecum Leonem“ (viele blinde Kardinale wählten den blindenLeo) — eine Anspielung auf die schlechten Augen Leos, der ohne Augenglashilflos war.