Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
Seite
1265
Einzelbild herunterladen
 

Von 1513 bis 1521

1265

wußte Papst Leo X. durch geschickte Benutzung der Wechsel-fälle, welche in den kriegerischen Verwickelungen der nächstenZeit den französischen König Ludwig XII. bedrängten, diesenim November 1513 zu Verträgen zu bewegen, welche den Papstderart befriedigten, daß er das Zustandekommen derselben inRom durch feierliche Prozessionen feiern ließ.

Bis zu dem am 1. Januar 1515 eintretenden Tode des KönigsLudwig XII . konnte es scheinen, daß der Erfolg der päpstlichenPolitik, welche auf größere Einheit in Italien , mit starker Be-tonung der Mediceischen Hausmacht, gerichtet war, in fort-gesetztem Aufstieg sich entwickele.

Eine glänzende Erweiterung seiner Autorität und eine poli-tische Perspektive weltumspannenden Ausmaßes bot sich demPapst dar in Gestalt einer von König Emanuel dem Großen vonPortugal (14951521) nach Rom gesendeten Huldigungsgesandt-schaft.

Columbus war am 25. Mai 1506 gestorben. Das kleine Por-tugal erhob sich unter seinem großen König Emanuel zu höch-stem Ruhme. Vasco da Gama hatte im Jahre 1498 den Seewegnach Ostindien entdeckt, Cabral im Jahre 1500 auf den KüstenBrasiliens, Almeida und Albuquerque seit 1509 zu Ormudz Goa,selbst auf Malacca die Fahne Portugals aufgepflanzt. Dieseneuen Handelsstraßen und Kolonien waren für die RepublikVenedig tötlichere Wunden, als die Kriege am Po und in denLagunen ihr schlagen konnten.

Emanuel schickte im Mai 1514 eine feierliche Botschaft anden Papst, Tristan dAcunha, einer der Helden der großen Ent-deckungen, und zwei berühmte Doktoren des Rechts, Juan deFaria und Diego Pacheco, führten sie. Diese Herren zogen mitprachtvollem Gefolge in Rom ein. Sie brachten kostbare Ge-schenke aus Indien für den Papst. Perser ritten auf den fürden Papst bestimmten Pferden. Eine Menagerie wilder Tiereward mitgeführt, von denen ein gezähmter Elefant die größteVerwunderung erregte. Seit den Zeiten des Kaiserreichs warenElefanten in Europa nicht mehr gesehen worden. Am 25. Maiwurden die portugiesischen Botschafter im öffentlichen Konsi-