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storium empfangen. Pacheco hielt eine lateinische Ansprache,die als Wunder der Redekunst gefeiert wurde. Er legte demPapst in seines Königs Namen Indien zu Füßen, verglich ihn imKreise der Kardinale mit der Sonne unter den Gestirnen, sagteihm, daß er nun vom Tiber bis zu den Polen Herrscher sei, daßihm die Könige Arabiens und Sabas Tribut bringen, ja alleFürsten und Völker bis zur letzten Thule ihn anbeten würden.
Leo stellte Emanuel am 7. Juni 1514 eine Urkunde aus, wo-durch er alle Länder vom Kap Non bis zu beiden Indien Portu-gal zusprach. Emanuel anerkannte, wie Ferdinand der Katho-lische , den Papst noch als die höchste Autorität der Erde, wel-cher es zustand, dem Besitz ferner Weltteile die Bestätigung zugeben. Wie einst Alexander VI. einen neuen Weltteil zwischenSpaniern und Portugiesen teilte, verlieh Leo X. letzteren dieeroberten und noch zu erobernden südöstlichen Länder.
III.
Nach dem Tode des Königs Ludwig XII. fiel dessen Kronean Franz I. (1515—1547), den einundzwanzigjährigen SohnKarls von Angouleme, den Gemahl Claudias, einer Tochter Lud-wigs XII . „Dieser glänzende Prinz, schön von Gestalt, bezau-bernd durch Talente und Ritterlichkeit, bestieg den Thron mitdem glühenden Verlangen, die Macht Frankreichs wieder her-zustellen.“
Er nannte sich sofort Herzog von Mailand , und bald wurdedie Welt durch ihn in unabsehbare Kriege gestürzt, deren Gegen-stand die Hegemonie Europas auf dem Grunde des Besitzes vonItalien war.
Venedig beeilte sich, den neuen Herrscher Frankreichs zubeglückwünschen, und ihn einzuladen, schnell in Italien zu er-scheinen.
Franz I. erneuerte unverzüglich die Liga mit dieser Repu-blik , wie den Frieden mit Heinrich VIII. von England.
Als von seinen Rüstungen ganz Frankreich in Bewegunggesetzt wurde, vereinigten sich im Februar 1515 der Kaiser, Spa-