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Der Kardinal selbst empfing sein Todesurteil mit wildenFlüchen auf den Papst. Er wies den Beichtvater von sich. DerMohr Roland erdrosselte ihn in der Engelsburg.
Dies geschah am 4. Juli 1517.
Alle in Rom anwesenden Gesandten wurden vor dem Papsteversammelt, um die Verlesung des Prozeßprotokolls anzuhören,welche 8% Stunden dauerte. Weder dieses Protokoll nochEinzelheiten des Inhaltes sind überliefert, abgesehen von folgen-der knappen Äußerung des venetianischen Gesandten: „Wirvernahmen folgendes: Durch die bei dem Sekretär Petruccis ge-fundenen Briefe wurden die Verhandlungen desselben mit Batti-sta da Vercelli zur Vergiftung des Papstes entdeckt. Petrucciselbst hat gestanden, daß er aus Verzweiflung, weil Siena seinerFamilie entzogen worden sei, den Papst habe aus dem Wegeräumen wollen, und daß er von diesem Plane auch den Kardi-nälen Sauli und Riario Mitteilung gemacht habe.“
Hatte die rasche Exekution vom 4. Juli in Rom und über-all große Bestürzung und vielfach Entrüstung hervorgerufen, somachte die alsbaldige Begnadigung der übrigen Verurteilten,auch derjenigen, an deren Schuld nicht zu zweifeln war, einenEindruck, welcher dem Papste Sympathien zurückgewann, dieer verloren hatte.
Die Nachricht von der bevorstehenden Befreiung des in ganzRom angesehenen und beliebten Riario verbreitete sich mitgroßer Schnelligkeit in der Stadt. Als der ZeremonienmeisterParis de Grassis sich nach der Engelsburg begab, um dem Ge-fangenen die Wiedererlangung der Freiheit anzukündigen, warendie Straßen mit jubelnden Menschen erfüllt.
Auch wurden die Begnadigungen, für welche Genua , Ve-nedig, der französische König sich verwandt hatten, dem Papstvon diesen politisch so wichtigen Faktoren verdankt.
Es entsprach dem Zeitgeist und den persönlichen MaximenLeos X. , daß dieser sich seine Gnadenakte außerdem materiellbezahlen ließ. Der Kardinal Riario mußte die Summe von150 000 Dukaten erlegen (das erste Drittel legte sofort Agostino