1282
Die Zeichnungen Raffaels zu den Teppichen waren zehnleicht kolorierte Kartons, genau in der Größe und Form, wie siegewirkt werden sollten. Mit Leimfarben waren auf ihnen diewichtigsten Ereignisse aus der Geschichte der Apostel Petrus und Paulus gemalt.
Jeder Karton wurde vom Papste mit ioo Golddukaten be-zahlt *).
An die Fresken in den Stanzen und die Teppiche reiht sichnoch ein drittes, nicht minder bedeutendes Werk, mit welchemLeo X . seinen Palast schmücken ließ und zu dem er RaffaelsKünstlerschaft in Anspruch nahm: die „Loggien.“
Vor jedem der drei Stockwerke des Vatikans eröffnete sicheine Arkadenreihe: die mittlere derselben, im östlichen Flügel,hat unter dem Namen der „Loggien Raffaels“ neben der Sixtina und den Stanzen unter den architektonischen Malereien Raffaelsin Rom die größte Berühmtheit erlangt.
Der Bau dieser schönen Hallen wurde von Bramante be-gonnen und nach seinem Tode von Raffael fortgeführt. DieJahreszahl 15x3 in der zwölften Arkade der Loggien bezeichnetden Anfang des spätestens 1518 zum Abschluß gebrachten Wer-kes. Bestimmtere Kunde über die Geschichte des Baues fehlt.
Auch für die Entstehung des Schmuckes, welchen Wände,Pfeiler und Deckengewölbe der Loggien erhielten, vermißt manschmerzlich genauere Nachrichten.
Zahlreiche andere größere und kleinere Aufträge seitens desPapstes und seiner kunstsinnigen Umgebung vermehrten alsbalddie künstlerische Inanspruchnahme Raffaels .
*) Zehn der arazzi werden heute im Vatikanischen Museum (Galleria deiarazzi) aufbewahrt. Von den Kartons sind sieben erhalten. Dieselben sind inLondon ausgestellt (South Kensington Museum ). Die Geschichte dieser Teppiche,welche Goethe im Iahre 1787 beim Fronleichnamsfest auf dem Petersplatz be-wunderte, ist ein merkwürdiges Spiegelbild der Wandlungen der päpstlichenMacht von 1519 bis 1808. In letzterem Jahr wurden die Teppiche aus denHänden französischer Trödler in Paris durch Papst Pius VH. (1800—1823) nachRom zurückgekauft. — Vgl. L. v. Pastor, Gesch. d. Päpste IV 1 1906 , S. 502.