Von 1513 bis 1521
1281
Der Stadtplan sollte in vierzehn Blättern, von denen jedeseine der Regionen des Kaisers Augustus umfaßte, zur Ausfüh-rung kommen. Bei Feststellung desselben standen ihm besondersder Archäologe und Dichter Andrea Fulvio und der bereits ge-alterte, kunstsinnige und rombegeisterte Mario Fabio Calvo zurSeite, welche auch nach Raffaels Tode den Plan eifrig verfolgten.
Der gelehrte Celio Calcagnini , welcher in einem lateini-schen Gedicht den genialen Wiederentdecker des zerstörtenRom feierte, schrieb an seinen Freund Jakob Ziegler: „Raffael ist gegenwärtig mit einer bewunderungswürdigen Arbeit be-schäftigt. Er entwirft eine Darstellung der Stadt Rom , welchedieselbe in ihrer alten Gestalt, in ihrem früheren Umfang undden Verhältnissen der einzelnen Teile großenteils wiederher-gestellt zeigt. Zu diesem Zwecke hat er im Innern der Hügelund in tiefliegenden Fundamenten Ausgrabungen unternehmenlassen und deren Ergebnisse mit den Schilderungen und Ver-messungen alter Autoren verglichen. Diese Arbeit hat denPapst Leo und alle Römer mit solcher Bewunderung erfüllt,daß alle zu deren Urheber aufschauen wie zu einem höheren"Wesen, vom Himmel gesandt, die ewige Stadt in alter Majestätwiederherzustellen.“
X.
Raffael wurde, nach dem Tode Julius’ II. , von dessen Nach-folger sofort mit der Fortführung der Malereien in den Stanzenbeauftragt. Leo X. fügte diesem Auftrag den weiteren großenAuftrag hinzu, Kartons zu entwerfen für gewirkte Tapeten(„Teppiche“, „arazzi “), welche die unteren Wände der Sixtini-schen Kapelle an Stelle der alten schadhaft gewordenen Vor-hänge bei Kirchenfesten schmücken sollten. Diese Arbeit nahmRaffael mit so außerordentlichem Aufschwung in Angriff, daßdie Kartons in den Jahren 1514 bis 1516 fertiggestellt und sofortnach Vollendung der einzelnen Kartons nach Arras und Brüsselgeschickt und gewebt wurden.
Bei der Einweihung der Sixtinischen Kapelle am 26 . Dezem-ber 15x9 wurden die Teppiche ausgestellt, indem ringsum dieunteren Wandflächen mit ihnen bedeckt wurden.