Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

Mit durchdringendem Urteil legt der Brief dann den Grundzu einer vergleichenden Kunstgeschichte überhaupt und stelltam Ende den Begriff derAufnahme fest, der seitdem gegoltenhat, indem er verlangt, daß für jeden Überrest Plan, Aufriß undDurchschnitt gesondert gefertigt wird.

Der Bericht ist von einer glühenden Verehrung für dasAltertum und fürdie bewunderungswürdigen Reste, welchedasselbe in Rom , derKönigin der Welt, hinterlassen hat.

Als Geschichtszeugnisse sind folgende Sätze des Berichtesvon höchster Bedeutung.

Wie viele Päpste, Heiliger Vater, welche die Würde EurerHeiligkeit besaßen, aber nicht das Wissen, die Tüchtigkeit, dieGeisteshoheit, noch jene Huld, die Euch Ähnlichkeit mit Gott verschafft, wie viele Päpste haben antike Tempel, Statuen, Bogenund andere herrliche Gebäude zu Grunde gerichtet! Wie vielehaben gestattet, daß man, bloß um Puzzolanerde zu gewinnen,die Fundamente vernichtete, sodaß der Ruin der Bauwerke er-folgen mußte! Wie viele antike Bildsäulen und Ornamentstückesind in Kalk verwandelt worden! Das neue Rom , daß wir jetzterblicken, in seiner ganzen Größe und Schönheit, mit Palästen,Kirchen und anderen Bauwerken geschmückt, ist, um es freiherauszusagen, durchaus mit Kalk gebaut, der aus antikem Mar-mor gewonnen wurde.

Raffael ruft den Papst an, er möge die wenigen Reste deralten Mutter des Ruhmes und der Größe Italiens schützen,auf daß die Zeugnisse des Wertes und Vermögens jener gött-lichen Geister, an deren Andenken sich die jetzt Lebenden nochbisweilen zu Höherem entflammen, nicht von Schlechten undUnwissenden vernichtet und verdorben werden.

In großen Zügen gibt Raffael einen Überblick über dieEntwicklung der Baukunst im Altertum, im Mittelalter undwährend der Renaissance. Die Antike ist ihm das unerreichteMuster. Der deutschen gotischen Baukunst hält er Vitruv ent-gegen.