Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1513 bis 1521

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Herrschaft gab es nie eine Zeit, wo die Stadt nicht den Eindruckdes Verfalles gemacht hätte.Der Charakter trümmervollerWildnis und zauberischer Einöde, worüber wie in keiner andernStadt der Welt der melancholische Geist der Vergangenheitschwebte, machte bis auf unsere Zeit den wesentlichen Reiz vonRom aus. Alles Neue war hier vereinzelt und unorganisch.Herrliche Paläste mit gemalten Fassaden standen in lückenhaftenStraßen oder zwischen finsteren Wohnungen des Mittelalters.Dieser Gegensatz entsprach dem geistigen Wesen der Stadt. DieHerrschaft des Kirchlichen drängte das Bürgerliche zurück.Klöster mit ihren großen ummauerten Bezirken nahmen über-all in der Stadt weite Strecken ein, und entzogen diese demAnbau. (Gregorovius.)

Ganz allmählich, erst nach dem 14. Jahrhundert hatte sichdas Marsfeld als dichter bewohntes Stadtviertel entwickelt.Hier wurde seit 1450 am meisten gebaut. Leo X. rief dorthinauch Toskaner, zumal in das Viertel, wo er die drei schon längstentstandenen Straßen, welche auf den Platz del Popolo münden,besser einrichten ließ. Eine derselben, die heutige Ripetta, hießdamals nach ihm Leonina. Gleichwohl war auch hier alleslückenhaft und von Weingärten unterbrochen, zumal am oberenCorso. Überhaupt konnte kaum eine Straße des damaligenRom vollendet oder geschlossen heißen, nicht einmal die ViaJulia.

IX.

Unter der Protektion Leos X. unternahm Raffael , der 1515zum Oberaufseher der römischen Altertümer ernannt war, jeneideale Restauration der ganzen alten Stadt, deren Plan in einemberühmten Brief dargelegt ist, welcher wahrscheinlich von demmantuanischen Gesandten in Rom, Baldassare Castiglione (1478bis 1529) im Aufträge Raffaels verfaßt und an Leo X. gerichtetwar, und in welchem der Papst um Schutz angerufen wirdfürdie wenigen übriggebliebenen Zeugnisse der Größe und Kraftjener göttlichen Seelen des Altertums, an deren Andenken sichnoch jetzt diejenigen entzünden, die des Höhern fähig seien.