Von 1521 bis 1527
1295
seiner Ankunft geschrieben hatte, es möge ihm ein einfachesHaus mit einem Garten eingerichtet werden.
„Im Vatikan wurde es nun still wie in einem Kloster“wurde gemeldet.
t)en Schwarm der Prälaten, der Poeten, der Künstler undGelehrten sah man dort nicht mehr.
Die angefangenen Arbeiten Raffaels in der Sala Constan-tins blieben liegen.
Die Schauspieler und Hofdichter Leos X . wurden aus demVatikan gejagt. Die Akademiker wanderten ins Exil, oder sieverbargen sich. Die Kulturentwicklung der Renaissance warfür Hadrian eine völlig fremde Welt.
Der schroffe Wechsel, der mit ihm in Rom eintrat, wurdeumso mehr empfunden, als der liberale Mediceer sich allen Ten-denzen dieser Kultur rückhaltlos hingegeben hatte. Laut klag-ten die Gebildeten über die neue Ära, durch welche der Vatikan ,bisher der Mittelpunkt alles literarischen und künstlerischenLebens, in ein stilles Kloster umgewandelt wurde. Man übersahalle trefflichen Eigenschaften Hadrians und erblickte in ihmnur den Ausländer. Neben den Schweizern nahm Hadrian auch Spanier als Leibwache in seinen Dienst. Ein Spanier wurdeKastellan der Engelsburg. Aus Nichtitalienern, „Barbaren“, be-stand auch sonst vorwiegend des Papstes Dienerschaft, die ausSparsamkeitsrücksichten auf das unbedingt notwendige Maßeingeschränkt wurde.
Das erste Edikt des neuen Papstes verbot bei schwerenStrafen das Waffentragen in der Stadt und verwies alle lieder-lichen Personen aus Rom . Eine zweite Verordnung richtetesich gegen das Barttragen der Geistlichen, „wodurch dieselbenmehr Soldaten als Priestern ähnlich sähen.“
Eine solche Einfachheit, Frömmigkeit und Strenge, wie sieder neue Papst an den Tag legte, hatten die Kurialen noch niegesehen. Es war der denkbar schneidendste Gegensatz gegen denübermäßigen Prunk, die heitere Weltlichkeit und die raffinierteKultur, die unter dem Mediceerpapste geherrscht hatten.