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Die Abneigung gegen den fremden Papst steigerte sich zubitterem Hasse, als Hadrian energisch mit seinem Plane hervor-trat, die verweltlichte Kurie gründlich zu reformieren.
Als der Papst in Rom eintraf, herrschte dort eine schwereSeuche, welche rasch und in schrecklichem Maße zunahm. EndeSeptember zählte man in Rom täglich 35 Sterbefälle und 41 Er-krankungen. Die ersten Wochen des Oktobers, der sonst derangenehmste Monat in Rom ist, brachte eine rapide Steigerungder Erkrankungen: am 8. zählte man täglich 100 Todesfälle.Wer konnte, ergriff die Flucht. Aber der Papst blieb, hieltSegnatura ab und erteilte Audienzen. Erst als zwei Personenim Vatikan selbst von der Pest befallen wurden, schloß er sichin das Belvedere ein. Die Kardinäle wurden angewiesen, sichin dringenden Angelegenheiten an den Datar zu wenden. Am10. Oktober verließen die Kardinäle Ridolfi und Salviati, am13. Giulio de’ Medici , am 14. der kaiserliche Botschafter SessaRom. Die Kurialen waren der Meinung, der Papst müsse umjeden Preis das gleiche tun. Sie fanden jedoch auch jetzt beiHadrian keinen Anklang: derselbe blieb im Belvedere, wo ervom Fenster aus Audienzen erteilte. Im November wurdeauch dies eingestellt. Von allen Kardinälen blieben nur drei,endlich nur einer, Armellini, in Rom . Die italienischen Be-amten hatten fast alle die Flucht ergriffen. Bloß die treuenNiederländer und einige Spanier harrten bei dem Papste aus.
Von einer Abnahme der Seuche war weder im Oktobernoch im November etwas zu bemerken. Ende Oktober zählteman in Rom 1730 Häuser, die infiziert waren.
Erst Ende Dezember erlosch die Pest.
Obwohl der Papst unter den gesundheitlichen und mora-lischen Verhältnissen in Rom seelisch und körperlich schwerlitt und sichtbarlich von Kräften kam, betrieb er seine Re-formen mit äußerster Zähigkeit. Aber er mußte bald erkennen,daß die Abschaffung der Mißbräuche in der Kurie eine Un-möglichkeit sei, denn sie waren zu tief gewurzelt. Auch ruhteauf ihnen ein großer Teil der Papstgewalt.