Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Von 1521 bis 1527

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Der reiche Kardinal von Santi Quattro, Lorenzo Pucci , derböse Dämon Leos X. in allen Finanzkünsten, stellte sich jederReform mit Heftigkeit entgegen.

Die Kirchenfürsten blickten mit Ironie auf den Pedantenim Vatikan . Sie jagten, spielten und tafelten nach wie vor. Alsdie venetianischen Oratoren zur Obedienz nach Rom kamen,nahm der Kardinal Cornaro, ein leidenschaftlicher Jäger, seinenOheim Matteo Dandolo mit auf eine Jagd, woran ioo Reiterteilnahmen. Der Kardinal ritt ein kostbares andalusisches Pferd.Er lud die Venetianer zu einem Gastmahl in sein Haus. Manzählte dabei nicht weniger als 75 Gänge, von je dreierlei ArtSpeisen, die mit großer Schnelligkeit gewechselt wurden. Manspeiste von prachtvollem und massenhaftem Silber. Die bestenMusiker ließen Lauten, Violinen, Lironen hören. Gesang gabes drinnen und draußen. Man tafelte sechs Stunden lang.

So ging es an den Tischen der Kardinäle her, während derPapst jeden Abend seinem Kammerdiener einen Dukaten reichtemit den Worten: das ist für morgen.

Hadrian wurde nicht gefürchtet, sondern verspottet. Erwurde die Zielscheibe boshaften Witzes und der Gegenstandschändlicher Verleumdung. Eines Tages brachten ihn diewitzigen Ausfälle des zuchtlosen Pasquino so sehr auf, daß erdiesen steinernen Schwätzer in den Tiber werfen lassen wollte.Lächelnd bemerkte ihm der Herzog von Sessa, daß Pasquinoauch im tiefsten Wasser als Frosch zu reden fortfahren würde.

Des Papstes Verständnislosigkeit, ja Feindschaft gegenüberder römischen Renaissancekultur trat bei jeder Gelegenheithervor und äußerte sich oft in krassen Vorgängen, welche dengrausamsten Hohn der Römer herausforderten. Als man Ha-drian die Gruppe des Laokoon zeigte, wandte er sich hinweg:Das sind Götzenbilder der Heiden. Das Belvedere machteer unzugänglich. Alle dorthin führenden Türen ließ er bis aufeine vermauern, und zu dieser gelangte man nur durch seineeigenen Zimmer.

Gegenüber demSpott, der tötet, indem er lächerlichmacht, war der Papst wehrlos. Wenn der Papst das Pasquino -