Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

fest am Markustag 1523 verbot und die Pasquillanten mit denstrengsten Strafen bedrohte, so half das gar nichts. Man bliebdabei, den Papst nur von der burlesken Seite zu nehmen.

Wie sehr die gesamte öffentliche Meinung in Rom demfremden Papste feindlich war, erhellt aus fast allen zeit-genössischen Berichten. Selbst Beurteiler, welche die gutenEigenschaften Hadrians anerkannten, fanden ihn zu kaiser-freundlich, zu knauserig, zu weltfremd.

Der mantuanische Agent Gabbioneta, einer der mildestenBeurteiler des Papstes, schrieb von ihm am 28. Juli 1523:SeinAntlitz atmet Milde und Güte, er macht ganz den Eindruckeines Ordensmannes. Dann aber bedauert Gabbioneta die Ver-änderung, die gegenüber dem lebenslustigen, heiteren HofeLeos X. vor sich gegangen sei.Rom ist völlig umgewandelt.Der Glanz des Vatikans ist dahin.

Die Verödung des päpstlichen Palastes erfolgte auf derganzen Front, in konsequenter Weise. Zunächst war es die Pestgewesen, welche Hadrian zwang, sich im Vatikan von der Stadtabzuschließen. Die Einsamkeit gefiel dann dem Papste so sehr,daß er sie nach Möglichkeit beibehielt. Seine Umgebung be-stärkte ihn. Sie fand es in ihrem Interesse, daß Hadrian mög-lichst wenig andere Leute sah.

Als Hadrian den Fehler, der in seiner Isolierung lag, er-kannte, den Anschluß an die italienische Reformpartei ver-suchte, und auch eine Verbesserung des langsamen Geschäfts-ganges plante, befiel ihn seine Todeskrankheit.

Am 14. September 1523 starb Hadrian VI. im Vatikan , derletzte nichtitalienische Papst.

An demselben Tage überschritt die französische Armee denTicino, um auf Mailand zu ziehen und um Franz Sforza vondort zu vertreiben.

Dies war der Beginn der vieljährigen Kriege zwischenFranz I. und Karl V. , die zu vermeiden Hadrians heiligstes Be-mühen gewesen war. Das Scheitern dieser Bemühungen hatte