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die Fülle der Goldschmiede- und Juwelenarbeiten geraubt undverhandelt. Doch wurden auch nicht wenige Marmorstatuenzerstört oder fortgeschleppt.
Am Ponto Sisto, im Borgo und auf dem Campo di Fiore ,erzählt ein römischer Notar, wurde die Beute des Sacco ver-kauft: goldgestickte Seiden- und Sammetkleider, wollene undleinene Tücher, Ringe, Perlen und andere Kostbarkeiten in wir-rem Durcheinander. Deutsche Weiber hatten ganze Säckedavon, die sie zu schwerem Preise verhandelten.
Der Brief eines Venetianers Giovan Barozzi, datiert 12. Mai1527, an seinen Bruder in Venedig gerichtet, lautet folgender-maßen: „Ich bin Gefangener der Spanier. Sie haben mir einLösegeld von 1000 Dukaten auf erlegt, unter dem Vorgeben, ichsei Beamter. Dann haben sie mich zweimal gefoltert und mirzuletzt Feuer unter die Fußsohlen gelegt. Seit sechs Tagen be-kam ich nur ein wenig Wasser und Brot. Lieber Bruder, laßmich nicht so elend sterben! Bettle das Lösegeld zusammen.Um Gottes Willen, verlaß mich nicht. Wenn ich das Lösegeld,das jetzt auf 140 Dukaten ermäßigt ist, in sechsundzwanzigTagen nicht bezahle, werde ich in Stücke gehauen. Um Gottesund der Heiligen Jungfrau willen, hilf mir! Alle Römer sindgefangen, und wer nicht bezahlt wird ermordet. Die Plünderungvon Genua und Rhodus war ein Kinderspiel gegen unsere. Hilfmir, mein Antonio, hilf mir, um Gottes willen, und zwar soschnell wie möglich!“
Mit besonderer Grausamkeit wurde gegen alle Personengeistlichen Standes gewütet. Ein großer Teil der Geistlichenund Mönche, welche den Kriegsknechten in die Hände fielen,wurde ermordet, zahlreiche andere wurden öffentlich alsKriegsgefangene verkauft. Mit anderen, die man als Weiberverkleidete, wurde entsetzlicher Spott getrieben.
Der achtzigjährige Bischof von Potenza, welcher das ihmauferlegte Lösegeld nicht zahlen konnte, wurde sofort nieder-gemacht. Der neunzigjährige Bischof von Terracina, nicht im-stande, die von ihm geforderten 30 000 Dukaten zu zahlen,