Sacco di Roma
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wurde wie ein Tier, ein Büschel Stroh am Kopfe, öffentlich zumVerkaufe ausgestellt.
Bei S. Lorenzo in Panisperma hatten sich mehr als 1 60 Non-nen in ein Kloster geflüchtet, das für Geld durch eine Abtei-lung von Kriegsknechten gegen deren Kameraden geschütztwurde.
Die Nonnen, welche nicht entfliehen konnten, so diejeni-gen von S. Maria in Campo Marzo und S. Rufino, wurden meistgenotzüchtigt und getötet oder verkauft. Der regelmäßigeKaufpreis betrug zwei Dukaten.
Der venetianische Botschafter Domenico Venier, sowie dieGesandten von Mantua, Ferrara und Urbino hatten sich in dengroßen Palast der mantuanischen Markgräfin Isabella bei SS.Apostoli geflüchtet. Diese edle Fürstin hatte außerdem einergroßen Zahl von adeligen Frauen und Männern in ihrer festungs-artigen Behausung ein Asyl gewährt. Noch in der Nacht eilteFerrante Gonzaga, der Sohn der Markgräfin, zum Schutze her-bei. Er vermochte aber nicht zu hindern, daß die im PalastGeborgenen 60 ooo Dukaten Lösegeld zahlen mußten. Obgleicheine Wache von Spaniern und Landsknechten nun den Palastschützte, wurde derselbe doch fortwährend durch wilde Bandenbedroht. Die Markgräfin war in Todesangst. Sie flüchtete am13. Mai nach Civitavecchia. Mit ihr entwich der als Packträgerverkleidete Botschafter Venedigs. In dem Briefe, in welchemVenier dem Dogen seine Rettung berichtet, bemerkt er, dieZerstörung Jerusalems könne nicht ärger gewesen sein als die-jenige Roms.
V.
Einen Überblick zu gewinnen über das Aussehen der gan-zen Stadt für die Tage vom 7. bis 15. Mai, ist eine Unmöglich-keit. Von den Augenzeugen hat jeder nur einzelnes erlebt,und die Einzelheiten waren an jedem Orte und zu jeder Stunde:verschieden.