Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
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Rom von 1492 bis 1592

Ein konzentriertes Bild dagegen bot die Leostadt dar, odergenauer gesprochen das vatikanische Gebiet und dasjenige derEngelsburg.

Um sich gegen Ausfälle aus der Engelsburg zu schützen,hatten die Kaiserlichen vor dem Ponte S. Angelo von der Torredie Nona bis zum Palast Altoviti einen Laufgraben aufgeworfen,aus dem sie unaufhörlich feuerten. Das Kastell bot ein Bildgroßer Verwirrung dar, von mehr als 3000 geflüchteten Men-schen, in ihrer Mitte der Papst und 13 Kardinale. Auf derSpitze des Kastells wehte neben dem Friedensengel die roteKriegsfahne, und stündlich hüllten es die donnernden Geschützein Pulverdampf. 90 Schweizer und 400 Italiener bildeten seineBesatzung. Die Artillerie befehligte der Römer Antonio S.Croce, und unter ihm diente Benvenuto Cellini als Bombardier .Es fehlten Lebensmittel. Eselsfleisch wurde zum Leckerbissenfür Kardinale und Bischöfe. Die Spanier sperrten alle Zufuhrab. Sie erschossen sogar Kinder, die im Graben des KastellsKräuter an Stricke banden für die Hungernden dort oben, undein Hauptmann erhängte mit eigener Hand eine alte Frau, welchedorthin für den Papst ein wenig Salat gebracht hatte.

Dennoch war nicht jede Verbindung des Papstes mit derAußenwelt abgeschlossen, und in der Zeit vom 7. Mai bis 7.Juni fanden fast ununterbrochen Verhandlungen zwischen demPapst und dem kaiserlichen Befehlshaber, Prinz Philibert vonOranien statt, welcher fortgesetzt seine Residenz in den päpstli-chen Gemächern des Vatikans hatte,wo er auch seine Rossedicht bei sich hatte, damit sie ihm nicht gestohlen würden. DieVerhandlungen wurden durch den von Oranien als diplomati-scher Geschäftsträger verwendeten Gian Bartolomeo Gattinara(Neffe des kaiserlichen Kanzlers und Kardinals Mercurino Gatti-nara ) geführt. Sie endeten damit, daß am 7. Juni die päpst-liche Besatzung aus der Engelsburg freien Abzug erhielt, unddaß dafür vier Kompagnien spanischer und deutscher Truppeneinrückten, der Papst aber als Gefangener in der Engelsburg ver-blieb. Er blieb dort, bis es ihm in der Nacht auf den 7. Dezem-ber 1527 gelang, in Verkleidung nach Orvieto zu entfliehen.