Sacco di Roma
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Die Kapitulation, wie sie genannt wird, vom 7. Juni been-dete die am 19. (oder 20.) Mai über die Engelsburg verhängteschwere militärische Belagerung, verschlimmerte aber dafür diepersönliche Lage des Papstes sehr erheblich. Am 21. Juli 1527schrieb Guiccardini: „Der Papst wird wie ein wirklicher Gefan-gener behandelt. Nur mit größter Schwierigkeit gelangt manins Kastell wie aus demselben, sodaß es fast unmöglich ist, mitSr. Heiligkeit zu reden. Man hat ihm an Wertsachen nicht für10 Scudi gelassen. Täglich bedrängt man ihn mit neuen For-derungen und erweist ihm nicht den geringsten Gefallen hin-sichtlich seiner in der Stadt gebliebenen Diener.“
Es scheint, daß diese schlechte Behandlung des Papstes,namentlich seine Isolierung, nicht auf grausamer Laune, sondernauf dem tatsächlich gerechtfertigten Gesichtspunkt beruhte, daßdie Kaiserlichen in Rom jeden Augenblick das Eintreffen einesEntsatzheeres gewärtigen und für diesen Fall sich der Persondes Papstes als Geisel versichern mußten. Zugleich allerdingsbenutzte man die Lage fortgesetzt dazu, Erpressungen gegenden Papst zu verüben.
Nach dem Bericht eines ferraresischen Agenten ging Bar-tolomeo Gattinara so weit, vom Papst einen Diamantring imWerte von 150 000 Dukaten, den der gefangene Papst am Fingertrug, zu erpressen. „Sogar meinen Meßkelch haben mir dieSpanier vor meinen Augen geraubt“, erzählte Clemens demGrafen Roberto Boschetti, der ihn in Orvieto besuchte.
VI.
Ein wirkliches Bild von den Zuständen in der belagertenEngelsburg mit ihren 3000 Flüchtlingen haben wir nicht, undkönnen es uns auch nicht machen.
Ebensowenig können wir uns natürlich von den Gescheh-nissen und Zuständen im übrigen Rom eine bildhafte Vorstel-lung machen, welche die Gesamtheit des Chaos in Klarheit ver-wandelt.
Aber eine besondere Art von Einheit und Klarheit könnenwir in dem Bilde jener Tage der Stadt Rom erkennen: das
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Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.