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VI.
Wir verlassen den Bereich der Thermen und des Macellumund schauen von der Höhe der Santa Maria Maggiore *) gegenOsten auf das Stadtgebiet außerhalb der Servianischen Mauer.
östlich in einer Entfernung von etwa 8oo m, da wo heutedie Porta S. Lorenzo ist, damals die Porta Tiburtina war, er-blicken wir die dunklen Aurelianischen Mauern. Mit mächtigenTürmen, Zinnen, Bastionen gerade an jener Stelle besondersstark befestigt, boten sie einen ergreifenden Anblick (s. obenSeite 516), welcher noch gehoben wurde durch die hinreißendeSchönheit der Aussicht auf das ferne blaue Gebirge.
Wir verfolgen die Mauer mit den Augen nordwärts inihrem gradlinigen Verlauf, bis sie bei der Porta Clausa sich imrechten Winkel der Grenze der alten Castra Praetoria anschließt,sodann bis zur Porta Salaria nordwestlich laufend die Höhe desPincio erreicht (s. unsere Tafel IV).
Der soeben beschriebene Teil der Aurelianischen Mauer bildet die östliche Grenze eines großen Geländeabschnittes ander Peripherie der Stadt, welcher während des ganzen Mittel-alters und noch lange Zeit darüber hinaus nicht nur unbewohnt,sondern unbenutzt, verwahrlost, verödet war.
Die westliche Grenze dieses trostlosen Reviers war dieAußenseite des Agger Servianus, das heißt, die nach Abtragungdieses gewaltigen Teiles der römischen Urbefestigung und nachAusfüllung des mächtigen Festungsgrabens entstandene unweg-same Böschung des Agger. Am oberen Rande des Agger undunten am Fuße der Böschung hatte der Verkehr dem öden Ab-hang je einen Wegzug abgewonnen, auf welchem man gehen,reiten, teilweise fahren konnte. Der obere Weg wurde „superaggere“, der untere „sub aggere“ genannt. In der ersten Zeitdes Kaisertums wurde der obere Weg mit gärtnerischen Anlagenausgestattet, welche sich nicht auf den Weg beschränkten, son-dern sich auf dem Plateau fortsetzten. Die Römer gingen dort
*) Unsere Tafeln IV, V und VI ermöglichen, in gegenseitiger Ergänzung,eine genaue Orientierung.