Teil eines Werkes 
2 (1933) Von der Zeit des Kaisers Konstantin bis auf die Neuzeit
Entstehung
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Rückschau und Umschau im Jahre 1534

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gern spazieren, wegen der schönen Aussicht, sowie wegen derfrischen Luft, welche vom Gebirge wehte. Es war dort derhöchste Punkt Roms (altissimus Romae locus in den Karten).

Die Böschung selbst, welche in unregelmäßiger Erdauf-schüttung entstanden war und niemals glatt abgedacht wordenist, wurde durch immer neue Anschüttungen, Schuttabladungen,oft größten Maßstabes, erhöht, sodaß um 1500 die Böschung zueiner neuen Bodenerhebung geworden war, die als verwahrlostesHügelfeld sich dem nach dem Gebirge suchenden Auge in denWeg legte.

Kletterte man hinauf, so blickte man in eine noch ödereTiefe. Diese Tiefe ist auf unserer Tafel VI kenntlich als weißeFläche zwischen der schraffierten Böschung und der Aurelians-mauer. Sie reicht bis zur Südostecke der Diokletiansthermen,in den Bereich der früheren Castra Praetoria hinein.

Die Castra Praetoria, welche vom Jahre 23 n. Christi bisauf Konstantin (der die Castra aufhob) als Zitadelle, Kaserne,Übungsplatz der Praetorianer, dem ganzen Stadtteil sein Geprägegab, begann außerhalb der Servianischen Mauerlinie, sich andiese von Porta Viminalis bis Porta Collina unmittelbar an-schließend und bis zu der Linie der späteren (275 n. Chr.) Aure-lianischen Mauer reichend"'), lag von 23 bis 275 n. Chr. alsZitadelle vor der Stadt, dann bis zu ihrer Aufhebung durchKonstantin als ein Hauptbestandteil der Stadtbefestigung imAurelianischen Ring, seitdem wahrscheinlich als Steinbruch.

Wenn wir bei der Rundschau im Jahre 1500 den Blick vonS. Maria Maggiore wieder östlich geradeaus gegen die Aureliani-sche Mauer lenken, so erreicht unser Auge die Mauer bei derPorta Tiburtina (heute Porta S. Lorenzo). Die Entfernungzwischen Maria Maggiore und der Porta beträgt etwa 800 m.Weiterhin geradeaus in der Bläue des Sabiner-Gebirges, demAuge nicht erreichbar, etwa 20 km entfernt, liegt die Stadt

*) Über die Castra ausführlichst: Chr. Huelsen in Jordans TopographieBd. III, S. 384393. Zur Veranschaulichung ihrer Lage und ihrer Ge-schichte vgl. unsere Tafeln III, IV, VI, auch Tafel V.