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Es ist sicher, daß bei jedem dieser beiden Vorgänge denWasserleitungen wesentlich Abbruch geschehen ist.
Um über 537 zu urteilen, fassen wir zunächst den Zustandins Auge, welcher für etwa 517 n. Chr. berichtet ist, als Theo-derich d. Gr. (493—52 6 ) über Rom regierte.
Theoderich vertraute die Wasserleitungen, welche er vor-fand, einem eigenen Beamten an, dem „Comes Formarum urbis“,welcher auch „Graf der Aquaedukte“ genannt wurde und ander Spitze einer großen Körperschaft von Aufsehern stand.
Uber den Zustand der Aquaedukte berichtet für die Re-gierungszeit Theoderichs dessen Geheimsekretär Cassiodorius,genannt Senator (480—575): „Alter und Vernachlässigungenhatten die Bögen der Aquaedukte mit Gestrüpp umzogen, aberdie alten Wasserleitungen durchrauschten noch immer die ödeCampagna Roms und versorgten die Thermen und Brunnender Stadt. Es rauscht die Aqua Virgo rein und wonnig daher,und sie verdient ihren Namen durch ihre Unbeflecktheit. Dennwährend sich andere Aquaedukte infolge des heftigen Regensmit Erde versetzten, scheint uns diese mit ihrer lauter fortglei-tenden Welle einen immer heiteren Himmel vorzuspiegeln.Wer kann ferner davon passende Erklärung geben, wie die Clau-dia durch einen ungeheueren Aquaedukt so zur Stirn des Aven-tin geleitet ist, daß sie von der Höhe herabfallend den hohenGipfel wie ein tiefes Tal zu bewässern scheint.“
Aus dieser echt Cassiodorischen Schilderung ist in nüchter-ner Tatsächlichkeit zu entnehmen, daß die Aquaedukte Virgound Claudia in voller Funktion standen, daß aber andere Was-serleitungen verschlammt oder in Gefahr der Verschlammungwaren.
Angesichts der Friedensperiode, welche mit der RegierungTheoderichs begann und bis 536 fortdauerte *), ist nicht anzu-nehmen, daß sich vor 537 in der von Cassiodor berichtetenLage der Aquaedukte etwas geändert hat.
*) S. oben Seite 599—608, 609—610.