Von 1 534 bis 1592
1369
Im Jahre 537 traf die Wasserleitungen jener Schlag, welcherin dem Satz überliefert ist: „Vitiges belagerte Rom , verheertedie Campagna und durchschnitt alle Wasserleitungen.“ DaßVitiges die Aquaedukte zerstört habe, wie hier und da zu lesenist, ist nicht überliefert und den Umständen nach ausgeschlos-sen. Es kam darauf an, die Wirkung der durch Vitiges überBeiisar und Rom verhängten Hungerblockade durch die Auf-hebung der Wasserzufuhr auf den höchsten Grad zu steigern.Dies ist durch die verhältnismäßig einfache Maßnahme derDurchschneidung jeder einzelnen Wasserleitung gelungen.
Eine furchtbare Hungersnot trat derart ein, daß Beiisaralle zur Verteidigung der Mauern nicht brauchbare Bevölkerungaus der Stadt vertrieb.
Gregorovius schreibt: „So wurden die Aquaedukte Roms ,die Wunderwerke so vieler Jahrhunderte, sämtlich durchbro-chen, und seit undenklicher Zeit hörten sie zum ersten Male auf,die Stadt mit ihren Strömen zu versorgen. Seither kamen auchdie letzten Thermen Roms außer Gebrauch und verfielen; dieWasserleitungen aber wurden von den Römern allmählich alsBaumaterial benutzt.“
Der Vollständigkeit halber sei hier bemerkt, daß möglicher-weise die Aventinische Wasserleitung, nach der Vertreibung derOstgoten aus Rom , wieder hergestellt worden und dann erstdurch Robert Guiscard im Jahre 1084 endgültig zerstört wordenist. Die ganze Geschichte der Zerstörung und Entvölkerung desAventin liegt für die Zeit von 600 bis zum 13. Jahrhundert intiefem Dunkel. Für unsere gegenwärtige Darstellung genügtaber die Feststellung, daß es im 16. Jahrhundert keine Leitungenaußer der niemals versiegten und nur vorübergehend im Jahre337 gestörten Aqua Virgo gab.
Die Wasserversorgung des ganzen Hügelgebietes der Stadt,besonders also des Esquilin, des Viminal, des Quirinal , konnteSixtus V. nur durch einen neuen aus dem fernen Gebirge her-geleiteten Aquaedukt erreichen. Diese Riesenaufgabe unter-nahm Sixtus sofort bei Beginn seines Pontifikates. Er löste siemit äußerster Energie. Schon im Oktober 1587 sprudelte das
Neomario, Geschichte der Stadt Rom II.
87