Von 1592 bis 1769
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Diese Folgerung teile ich nicht.
Die Restaurationspäpste haben in der Zeit von 1534 bis1769 nicht nur den Kirchenstaat, sondern auch die Stadt Rom auf den Gipfel ihrer nachmittelalterlichen Blüte und ihres welt-geschichtlichen Ansehens gehoben.
Die Stadt Rom hat in diesem Zeitraum nichts eingebüßt,was wesentlich für ihre fernere Entwicklung war. Die Kämpfemit dem Papsttum um die republikanische Stadtverfassungwaren längst zu sinnlosen Hemmungen und Beeinträchtigungender städtischen Entwicklung geworden. Die Geschichte derStadt Rom ist durch die Beseitigung ihrer überlebten Kommu-nalherrschaft nicht beendigt, sondern auf eine höhere Stufe undauf ein ausgedehnteres Niveau gehoben worden.
Die Stadt Rom ist unter müheloser Empfangnahme der seitSixtus V. ihr beständig zuwachsenden "Wirkungen der päpst-lichen Kirchen- und Staatspolitik, durch die liberale und kom-munale Fürsorge der Päpste zur Weltmetropole der Kunst undzur Idealstätte jedweden anderen kulturellen Lebensgenussesgeworden.
Man kann sagen, daß die Stadt durch diese Entwicklunganstelle der Fortsetzung ihrer kampfreichen und unfruchtbargewordenen Geschichte für Jahrhunderte einen Zustand derRuhe, der Freiheit und des Lebensreichtumes erlangt hat, wel-cher, von höchster Warte gesehen, einen Jungbrunnen ohne-gleichen für die ganze Welt und für unabsehbare Zeiten dar-bietet. Insbesondere aber ist für die Epoche von 1592 bis zuden mit dem Regierungsantritt des Kaisers Joseph II. (1763)beginnenden Erschütterungen die Stadt Rom nur in dem Sinnegeschichtslos gewesen, daß eine fortgesetzte reiche und glück-liche Gegenwart den Gesichtspunkt geschichtlicher Spannungenund Veränderungen zurückdrängte.
Rom hatte sich während eines langen durch stürmischeEpisoden nur auf Augenblicke gestörten Friedens zu der Eigen-tümlichkeit entwickelt, die der Rokokozeit (1720—1770) mitihrer überquellenden äußeren Behaglichkeit und Genußsucht