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„Wäre es nicht die erste Anforderung an eine Beleuchtungdieser Dinge, daß sie sich die Aufgabe stellte, ihre Augen aufdiese offen zu Tage liegenden Zustände zu richten, statt sichimmer und immer wieder auf die Erregung von Furcht undGefahr zu werfe», welche die Zukunft bringen könnte? Nichtwas ist, sonder» was seilt und kommen möchte, bildet die Unter-lage des theoretischen Austurmes gegeu unsere Mnnzverfaffung."
Das ist in jeder Beziehung falsch. Wäre unsere Währungs-situation heute durchaus gut, so könnten doch dringendeBefürchtungen für die Zukunft zu einer Aenderung drängen,und es iväre dann Pflicht der Fachleute, diese Bedenken aus-zusprechen, so lange es noch Zeit ist vorzubeugen. Ueberdiesaber sind unsre Währungsverhältnisse nicht gut, sondern geradein ihnen liegt die vollste Rechtfertigung der Bekämpfungder Goldwährung.
Bamberger macht einen kühnen, dem weniger kundigenLeser freilich schwer bemerkbaren Sprung. Er unterschlägtplötzlich die Währungsfrage und setzt an ihre Stelle die Münz-frage. Nun, die Münzfrage würde uns weniger erregen —-was für uns in Betracht kommt, ist die Währungsfrage mitall ihren wirthschaftlichen und sozialen Wirkungen für denheimischen und für den Weltverkehr, der auf unsere Volks-wirthschaft zurückwirkt, nicht aber die Zusammensetzung unsererumlaufenden Münzen an sich.
Ausgezeichnet findet Bamberger alle unsere Münzverhältniffe,von der Silberentwerthung und ihren Schädigungen schweigter — allerdings, nach seiner Behauptung ist daß ja ein Fatum,dem Deutschland mit seiner Goldwährung glücklich zuvorkam. Aberseit der englischen Enquete und der Schließung der indischen Münz-stätten, kann Niemand mehr leugnen, daß ohne die Goldwährungdiese Silberentwerthung überhaupt nicht eingetreten wäre. Jeden-falls aber ist die Silberentwerthung eine ernste, bei Einführungder deutschen Goldwährung nicht geahnte Kalamität. Das istdoch keine Zukunftsmusik, kein „Operiren mit Schattenbildern,"wie Bamberger Pros. Wagner vorwirft, das ist, denke ich, einefeststehende Thatsache, die allein schon dieBambergerscheHellmalereiunserer bestehenden Münzzustände über den Haufen wirft. Daß dieSilberentwerthung unseren Handel und unsere Industrie schädigt,durch die Valuta-Differenzen namentlich die Landwirthschaftbenachtheiligt und einen wesentlichen Antheil an der bestehenden