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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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ausgeprägt, 2300 Millionen haben wir sonst noch in Deutsch-land ,mehrere hundert Millionen" sind dagegen abgeflossen,diesemehrere" durften eine größere Summe sein, als mangemeinhin schätzt. Ich nehme eine sehr hohe Ziffer an, jeden-falls sind die üblichen Schätzungen tendenziös niedrig. Vor10 Jahren versuchte ich eine Schätzung und kam auf einenGoldabgang von mehr als einer halben Milliarde. Damalserklärte der hervorragendste wissenschaftliche GoldwährungsmannErwin Nasse diese Schätzung für die richtigste. Ich bemerkedas nur beiläufig, um vor übertriebenen Vorstellungen überunseren Goldreichthum zu warnen.

Durch eine österreichische Veröffentlichung kennen wir jetztdie Zusammensetzung des Baarbestandes der deutschen Reichs-bank am 10. Mai 1892, er enthielt:

Goldmünzen 317,116 000 Mk. (dabei 279,8 Mill. i. 20-Mk.)

Goldbarren 293,451000

Gold unsortirt 14,410 000

Silbcrthaler 235,586 000

Scheidemünze und unsortirt 97,139 000

957,702 000 Mk.

Diese Angaben sind über Erwarten ungünstig und beider Verminderung des Baarvorraths seitdem sind sie ver-muthlich heut noch ungünstiger. Reichlich ein Drittel unsererBankdcckung, 332,7 Millionen Mark, ist unbrauchbares, cnt-werthetes Silber und nicht mehr als 625 Millionen Markwaren die wirkliche Deckung aller Noten und Depositen derdeutschen Reichsbank, aller der fiktiven Zahlmittel im Ver-kehr! Nur sträflicher Optimismus kann solche Zustände fürglänzende ausgeben. Ich bin mit Pros. Ad. Wagner derMeinung, daß es hier nur zwei Dinge giebt, für die man sichentscheiden kann. Entweder Beseitigung des Silbers, soweit esnicht als Scheidemünze unbedenklich, oder Beseitigung derSilberentwerthung, so daß Silber wieder aus einer Gefahr eineBefestigung unseres Geldsystcms wird. Die Goldwährungs-partei ist bereits so bankerott, daß sie ihr Ziel, die Beseitigungdes Silbers, gar nicht mehr zu vertreten wagt, die Kritik gegendiehinkende" Goldwährung, die nach der Suspension derdeutschen Silberverkäufe im Jahre 1879 eine so laute war,ist verstummt, der Ruf nach Wiederaufnahme der Silber-verkäufe verhallt man stellt sich zufrieden mit den bestehenden