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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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Verhältnissen, weil man weiß, daß man nichts mehr ändernkann. Oder sollte Deutschland eine viertel Milliarde aus-geben, um seine Thaler zu verkaufen, und eine andere viertelMilliarde, um die Unterwerthigkeit seiner Silbermünzcn ein-zuschränken? Man braucht nur diese Zahlen zu nennen und dieSituation ist klar. Nur die Wiederherstellung des Silber-werthes kann uns wieder solide Münzverhältnisse verschaffen.

Bamberger pocht darauf, daß wir unter der Goldwährungnoch keine Krisis im Geldwesen gehabt haben. Wenn wir ers^eine solche abwarten sollen, dann kommt die Einsicht zu spät.Der kluge Mann baut vor.

Unsere Münzverhältnisse können also auch ganz abgesehenvon der Frage des Goldmangels und ganz abgesehen von allenwirthschaftlichen Schädigungen vor der Kritik nicht bestehen, undje glänzender Bamberger sie schildert, um so deutlicher trittdie Sophistik seiner Beweisführung zu Tage er selbst kanngar nicht mit den Dingen, wie sie sich gestaltet haben, zu-frieden sein.

Und wie bei uns ist es überall in der Welt, nur meistnoch schlimmer, was mir ein schlechter Trost zu sein scheint,denn jede Wunde, die irgendwo aufbricht, fühlen wir mit,da der moderne Verkehr die Kulturwelt zu einer großen Einheitgestaltet.

Ob die Währungswirren in Indien oder das steigendeGoldagio in Wien oder Rom , ob amerikanische Münzkämpfeoder australische Goldkriscn, bald in Argentinien, bald in Mexiko ,immer sind es dieselben verheerenden Wirkungen, welche Silber-entwerthung und Goldmangel seit zwei Jahrzehnten hervor-rufen und aus denen nicht herauszukommen ist, ehe das un-glückliche Experiment der Goldwährung nicht aufgegeben wird.

Die Erfahrung von siebzig Jahren hat gezeigt, daß diefranzösische Doppelwährung die Werthschwnnkungen zwischenSilber und Gold ausschloß. Die Goldproduktion stieg von1845 55 weit stärker, als jetzt die Silberproduktion, dieSilbcrnachfrage war 185565 so stark wie jetzt die Gold-nachfrage, aber die französische Doppelwährung bestand dieFeuerprobe und das Werthverhältniß von 1 : 15,5 galt inder ganzen Welt, so daß Bamberger einmal sagte, der Gegen-satz in der Währungsfrage laste sich dahin zusammenfassen,daß die Einen meinten, das Werthverhältniß habe solange be-

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