20
standen, wie die Doppelwährung, und die anderen, die Doppel-währung habe so lange bestanden, wie das Wcrthverhültnißexistirte. Nun die Akten sind jetzt abgeschlossen darüber, daßohne die Schließung der Münzstätten die Silberentwerthungnicht hätte eintreten können, oder glaubt Jemand, daß Silber,wenn es in Frankreich und Deutschland unbeschränkt prägbarblieb, um 50pCt. entwerthen konnte? Man muß heute zu-geben, daß die Münzgesetze den Werth der Edelmetalle bestimmenund daß sie das so gut für beide wie für eins der Edelmetallethun können. Sie müssen es aber für beide thun, weil einsallein nicht ausreicht.
Die Goldwährungspartei ging ursprünglich von der Ideeaus, es giebt zuviel Gold in der Welt, deshalb muß derGoldumlauf erweitert werden, es ist zu wenig Silber vor-handen, deshalb ist der Silberumlauf einzuschränken. DieDinge sind jetzt grade umgekehrt. Die Goldwährungsparteihatte ferner das Ziel, mittelst der allgemeinen Goldwährungdie Währungseinheit der Kulturwelt zu erreichen. Damit istsie gescheitert. Selbst wenn alle Staaten die Goldwährungannehmen wollten, die Beispiele aller finanzschwachen Länderzeigen, daß nur zu bald das Goldagio sich einnistet. DieFortschritte, welche die Goldwährung bringen sollte, haben sichin das Gegentheil verkehrt, aber mit eigensinniger Prinzipien-reiterei verkennt man, daß der Bimetallismus es ist, der denangestrebten Fortschritt thatsächlich bringt.
Der Bimetallismus bringt die Ausgleichung zwischen denbeiden Metallen, die, da eine unendliche Nachfrage zu Präge-zwecken dem unendlichen Angebot der zirkulirenden Geldmünzengegenübertritt, nicht mehr im Werthe zu einander schwankenund zusammenwachsen zu einer höheren Einheit. Was Frank-reich allein siebzig Jahre unter den außerordentlichsten Zwischen-fällen durchsetzte, das wird die ganze Kulturwclt gemeinsamdoch wohl erreichen können.
Der Bimetallismus bewirkt, daß die Schwankungen derEdelmetallproduktion sich weniger störend fühlbar machen, daßdie Währungseinheit erreicht wird, daß die Silberentwerthung,die Valuta-Differenzen, der Goldmangel verschwinden und alleStörungen im Geldwesen ein Ende nehmen. Wir solltendankbar sein, daß uns die praktischen Erfahrungen mit derfranzösischen Doppelwährung einen Ausweg aus Verhältnissen