Druckschrift 
Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

zeigen, die unerträglich sind und noch immer unerträglicherwerden müssen.

Der Bimetallismus wird aus dem theoretischen Grundebekämpft, daß es unmöglich sei, zwei Werthe zu fixiren.Das ist aber siebzig Jahre lang thatsächlich möglich gewesen,ein Beweis, daß die Theorie hier falsch angewendetwird. Praktisch ausschlaggebend ist die Furcht vor derGeld-verschlechterung" -- als ob nicht die Wiederherstellung desSilberwerths jeder Freigabe der Silberprägungen vorausgehenmüßte und als ob diese Preissteigerung eine größere Ein-wirkung üben könnte, als die Entwerthung. Seit einem halbenJahr ist der Silberpreis um 20 pCt. entwerthet, ist der Gold-werth gleichzeitig 20 pCt. gestiegen? Und warum soll eineVeränderung des Silbers von 31 aus 39 Pence stärker wirken,als die umgekehrte, die wir jüngst erlebten?

Die großen Massen des Silbers sind von der Ent-werthung überhaupt noch nicht berührt.

Was aber hat es mit derStabilität" oderFestigkeit"des Goldwerths auf sich? Freilich, ein Pfund Gold gilt immer1395 Mark, aber die Frage ist nur, ob 1395 Mark immerdieselbe Kaufkraft haben; haben sie eine größere Kaufkraft ge-wonnen, so ist der Geldwerth nicht fest, sondern gestiegen,und ein steigender Geldwerth ist das größte wirthschaftlicheNebel. Die Statistik beweist aber unwiderlcglich die steigendeKaufkraft des Goldes und die wirthschaftlichen Verhältnißealler Goldwährungsländcr zeigen deutlich und klar die Symptomeder Wirkungen der Geldverthcuerung. Die Welt ist krank,darüber besteht gar kein Zweifel, und diese Krankheit wird vonvielen hervorragenden Nationalökonomen aller Länder füreine Folge der Geldkrisis angesehen, jedenfalls ist die wirth-schaftliche Krankheit von ihnen als Folge der Goldwährungvorausgesagt.

Aber Bamberger sieht diese Krankheit nur in den VereinigtenStaaten , wo manMilliarden zur Unterstützung des Silbers"ausgegeben. Die amerikanische Silbergesetzgebung vertheidigeich nicht. Ich habe schon vor langen Jahren in einem Bries,den Herr Dr. Bamberger selbst einmal im Reichstag vorgelesen,dringend zur Beseitigung der Blandbill gerathen. Hätten dieAmerikaner jene Silbcrankäuse nicht so lange fortgesetzt, sowürde Silberentwerthung und Goldmangel die Welt längst zur