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Die Silberenquete : Eine Auseinandersetzung mit Ludwig Bamberger / Von Otto Arendt
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Man beachte, daß die Goldwährungspartei die auf wissen-schaftlichen Forschungen ruhende Annahme von der Erschöpfungder Goldproduktion alsGraulichmacherei" abweist, selbst aberohne alle Beweise mit der bloßen Behauptung derungeheuren"Silberproduktion die Menschheit ängstigt.

Ein vollständiger Fehlschluß ist es, wenn die vermehrteSilberproduktion als Ursache der Silberentwerthung angegebenwird. Es läßt sich das ziffermäßig widerlegen. Von 1870 bis1892 sind etwa 63 Millionen Kilogramm Silber produzirt.Rechnen wir den industriellen Verbrauch jedenfalls zu niedrig mit700000 Kilogr., also für 22 Jahre etwa 15,4 Millionen Kilogr.,so bleiben etwas über 47 Millionen Kilogr. im Werth vonetwas über 8^/2 Milliarden Mark. Rechnen wir den ostasiatischenBedarf niedriger als er thatsächlich war mit 7Vs Mill.Pfund Sterling jährlich, so erhalten wir 3,3 Milliarden Mark.Es verbleiben mithin 6 Milliarden für die Münzbedürfnisse' der Welt in 22 Jahren. Daß die französische Doppelwährungausgereicht hätte, das hiervon überschießende Quantum gegen Goldumzutauschen und daß ein solches überschießendes Quantumohne den Uebergang Deutschlands zur Goldwährung wahr-scheinlich gar nicht vorhanden war, liegt auf der Hand. HätteSilber die Kaufkraft der deutschen und französischen Valutadauernd erwerben können, so war es einfach undenkbar, daßes 50 pCt. entwertete.

Nur der Eingriff der-Gesetzgebung in die Währungsver-hältnisse hat demnach die Silberentwerthung hervorgerufen, diese'ist also nicht einenatürliche" sondern eine künstliche, die Rück-kehr zum alten Silberwerth demnach nicht eine künstliche Werth-erhöhung sondern die Beseitigung einer künstlichen Entwerthung.

Das muß man im Auge behalten, wenn man die Fragedes Werthverhältnifses richtig beurtheilen will. Die Relations-frage ist, wie bereits gesagt, keine Prinzipien- sondern eine Zweck-mäßigkeits-Frage. Am zweckmäßigsten ist das Werthverhältniß,das am leichtesten durchzuführen ist, am leichtesten durch-zuführen aber ist dasjenige, das die geringsten Umwälzungen,die geringsten Verluste hervorruft und das ist 1 : 15,5,weil die großen Massen des Silbers, fast alles geprägteSilber dieses Werthverhältniß noch festhalten. Im Jahre1890 haben wir eine große, allerdings vorübergehendeSteigerung des Silberpreises ohne die mindesten Störungen er-