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lebt. Wenn das Wcrthverhältniß von 1 : 15,5 möglich ist,so sollte es auch gewählt werden, denn jedes andere würde eineWerthzerstörnng bedeuten, die man nicht unnütz und ohnezwingenden Grund vornehmen darf. Man denke nur an dieMilliarden, welche eine Umprägung der Münzen verschlingenwürde. Man stelle erst wieder eine unendliche Nachfrage nachSilber her, wie sie für das Gold durch die unbeschränkte Prägbar-keit besteht, dann bleibt es auch im Werthe fest. Wenn mit demangeblich so beständigen Golde wie mit dem Silber verfahrenwürde und man ihm die Münzstätten schlösse, dann würde es sichebenso cntwerthen wie das Silber.
Ich habe immer den Uebergang Deutschlands zurGoldwährung als eine historische Nothwendigkeit ange-sehen. Die Erfahrungen mußten erst gemacht werden, diewir seitdem gemacht haben. Seit 1880 aber ist Deutschlands Währungspolitik ebenso wie die Englands schuld an der Ver-schlimmerung der Währungswirren. Es war wesentlich dieHaltung Deutschlands , die alle Währungskonferenzen scheiternließ. Jetzt hängt es von Deutschland ab, wie es durch die Ein-führung der Goldwährung die Währungswirren verursacht hat,so durch Anbahnung einer internationalen Regelung der Silber-frage deren Ende herbeizuführen. England ist durch dasScheitern seines indischen Experiments in eine verzweifelteLage gerathen, in Frankreich verlangt soeben die landwirth-schaftliche Gesellschaft, die dort einen ausschlaggebenden Ein-fluß hat, die Initiative der französischen Regierung für eineinternationale Münzgesetzgebung, die Verlegenheiten der Ver-einigten Staaten Oesterreich-Ungarns, Italiens sind bekannt,selbst in Dänemark verlangen die Landwirthe, daß die Re-gierung der Goldvertheuerung entgegenarbeite. — Die Frageist reif, möge die deutsche Silberenquete den Stein ins Rollenbringen und Deutschland den Ruhm gewinnen, diese in derganzen Welt so schmerzlich empfundene Kalamität zu beseitigen.Herrn Dr. Bamberger aber wünsche ich, daß er ein Zeugedavon werde, wie segensreich die Reform wirken wird, derenBekämpfung er sich zur Lebensaufgabe gemacht hat. DieThatsachen sollen ihn zu einem Bimctallisten wider Willenwerden lassen.
(Deutsches Wochenblatt Nr. 5 vom I. Februar 1894.)
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