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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
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zu erwartende Vorwurf bei seinen politischen Aetionen ge-macht werden könne, er handele in Abhängigkeit von seinenPariser oder irgend anderen geschäftlichen Interessen, griffer zur Feder und schrieb für den Perliner Centralaussehusszur Erzielung liberaler Wahlen zum Norddeutschen Heichstagceines der von diesem ausweg-ebenen zwanzig Flugblätter. Ksist das im Januar 1867 in Paris verfasste kurze, leidenschaft-lich beredte Mahnwort an die zaudernden und missmuthigenFreunde:Fine Stimme aus der Fremde (Ges. Sehr. V. 59).Sein Inhalt ist ersichtlich aus dem Vorgesetzten Motto:Augenhaben sie und sehen nicht, Ohren haben sie und hören nichtund der Schlussapostrophe:Wählet freie Männer! Lassetsie geloben, sich festzuklammern an das grosse Gut, das ihrenHänden anvertraut wird, an die Zukunft Deutschlands . Diesist der Wendepunkt seiner Geschichte. Dies ist: Leben oderTod. Die politische Schriftstellerei genügte seinem Thatendränge bald nicht mehr. Jm Vorsommer 1867 nahm er schonan einer Versammlung politischer Xotabeln aus Süddeutseh-land Tlioil, welche unter dem Vorsitze Hehlers in Stuttgart tagte. Um einen festen Hoden für seine politische Actionzu haben, musste er sich den Eintritt in eine der neugebildetenparlamentarischen Körperschaften Deutschlands zu verschaffensuchen. Das war ihm nach seiner vollständigen Amnestirungnur in seiner engeren lleiinath möglich. Von der hessischenLandesversammlung der Liberalen, welche die Wahlkreise audie Candidaten für das Zollparlament vertheilte, wurde erauf einen der gefährdetesten Posten gestellt. Er sollte denWahlkreis seiner Vaterstadt Mainz den vereinten Schildknappendes Ministers von Dalwigk und des Bischoffs von Ketteiervon Mainz , des Führers der deutschen Ultramontanen, welchesich .jetzt mit der radikalen Demokratie geeinigt und einenihrer Mainzer Führer, den liechtsamvalt Dumont, auf ihrenSchild gehoben hatten, entreissen. Viel lieber hätte er imWahlkreise Alzey-Bingen eandidirt, wo seine Wahl gesichertwar. Da man aber behauptete, er allein könne Mainz dernationalen Partei sichern, stürzte er sich im Januar 1868 ineinen der lebhaftesten Wahlkämpfe, die damals in Deutsch -