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laml ausgefoclden worden sind. Die
der lieit'htstulil und die Phraseologie leidenschaftlicher Demo-kraten arbeiteten vereint gegen ihn an. Aber sie unterlagendoch der ungewöhnlichen Energie ihres Gegners, der an einemTage an verschiedenen Orten zwei, ja drei Mal sprach, und dengrossartigen Anstrengungen von dessen politischen Freunden.Die gehobene politische Stimmung, die in dieser Zeit nochin Deutschland herrschte, riss die Massen mit fort und nürn-berger schlug seine (legner, wenn auch nur mit der knappenMajorität von 34 Stimmen. Damit war er an „einem selm-liehst erstrebten Ziele 14 , an „einem Wendepunkte seines Lebens"angekommen. Er war zum ersten Male Mitglied einer grossendeutschen parlamentarischen Körperschaft geworden.
Es ist sehr erwünscht , dass lbunberger die Candidaten-Rede, in der er sich am 27. Februar in einer grossen Volks-versammlung um die Stimmen der Mainzer Bürgerschaft be-warb, nach einer stenographischen Aufzeichnung in seine ge-sammelten AAhrke aufgenommen hat. Denn diese Rede ist einMuster volkstimmlicher Reredtsainkeit und doch ganz individuellgehalten. Sie geht den gegnerischen Parteien scharf zu Leibe,ist aber ungleich ruhiger und weniger verletzend als mancheschriftliche Aeusserungen aus jener Zeit. Er glaubte damalsnoch an die werbende Kraft des gesprochenen AAhrtes Un-entschiedenen und Gegnern gegenüber und hat sich in diesemFalle auch sicher nicht geirrt. Darum berührt er auch dierein persönliche Seite seiner Bewerbung, namentlich da manihm vorgeworfen hatte, er bemühe sich nur aus Ehrgeiz umeinen Parlamentssitz. Mit aller Offenheit antwortet er hier-auf: „AVer, der einmal ernstlich in seine Brust greift, kannsagen: ich bin frei von Ehrgeiz? — AVer vor seinem Ahlkean wichtigen Angelegenheiten der Nation Theil zu nehmenwünscht und dabei glaubt, er sei frei von Ehrgeiz, der irrtan sich selbst. Und ich glaube, dass es erlaubt ist, nachder Ehre zu dürsten, einer guten Sache mit Erfolg dienenzu können; und der Ehrgeiz, aus dem Ahrtrauen seiner Mit-biirger Ahrtrauen in sich.selbst und dadurch Sporn und Spann-kraft zu nützlicher Tluitigkeit zu gewinnen — diesen Ehr-
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