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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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geiz, ich besitze ihn! und ich will hinzusetzen, dass ich des-wegen nicht mich eitler »Selbstüberschätzung hingehe (IV, 55),Kine solche Sprache verstand man zu jener Zeit noch. Dennin weiteren Kreisen als heut zu Tage lebte damals das heisseVerlangen, seinem Vaterlande ohne äussere persönliche Inter-essen zu dienen und mit dabei zu sein, wenn über seineGeschicke verhandelt werde. Und weil dieser patriotischeSinn in der Menge noch vorhanden war, traute man ihn auchnoch den Männern zu, die sich als Volksvertreter anboten.Erst nachdem die Politik der materiellen Interessen in denVordergrund des öffentlichen Lehens gehoben wurde, hat dasAolk auch den Glauben an die Interessenlosigkeit seinerVertreter verloren; und damit ist dann unter der stillen undoffenen Nachlnilfe absolutistischer Staatsmänner das Ansehendes Parlamentarismus untergraben worden. Auch Panibergerhat hierunter zu leiden gehabt.

Man kann es beklagen, dass für einen Politiker von derpositiven Leistungsfähigkeit Panibergers kein Raum in derBeamtenhierarchie des deutschen Reiches vorhanden war.Sicher ist aber, dass dieser das Missverhältnis nicht auspersönlichen Gründen so beklagt hat, wie er es als eineUnvollkommenheit unserer politischen und socialen Zuständeansehen musste. Ihm kam es vor Allem seiner ganzen Naturnach auf die Wahrung seiner individuellen Freiheit und derallein durch sie zu ermöglichenden Einwirkung auf das öffent-liche Lehen in seinem Sinne an, nicht auf äussere Ehren undeine Stellung in der Pureaukratie. Es ist daher ganz thöricht,wenn man gesagt hat, seine scharfe Opposition gegen Pis-marcks innere wie äussere Politik vom Jahre 1878 an stammedaher, dass er seinen Ehrgeiz nicht befriedigt erhalten habe.Diese Insinuation heisst noch mehr den Verstand als denCharakter Pambergers beleidigen. Als ob der kluge, derPersonen und Verhältnisse so kundige Mann hätte glaubenkönnen, er, der zum Tode verurtheilte Theilnelnner an dembadisch-pfälzischen Aufstande, der über König FriedrichWilhelm III. in härtester und spöttischster Weise sich öffent-lich ausgesprochen und 1871 eine Schrift mit den Worten