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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
55
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Und hierzu kam noch c*iu Anderes. Durch das Pro-tectionssvstem wird unzweifelhaft die .Macht der Staatsgewaltvermehrt. Von allem Anderen abgesehen, werden durch es dieInteressen der hei ihm persönlich Botheiligteii an die Regierunggewiesen und diese wird von manchen Rücksichten auf ideal-politische Forderungen der Regierten befreit. Die liberalenBestrebungen werden von den materiellen Forderungen auf-gesogen, wie das auch L. Buclrer schon längst erkannt hatte.Welche Konsequenzen ein Vorgehen der Reichsregierung indieser Richtung in Deutschland, namentlich aber in Preussen ,haben musste, sah Bamberger nur zu klar vorher. Kr warvon seinen alten Freunden höhnisch stets auf das preussischeJunkerthum, dem er nur Vorspann leiste, hingewiesen worden.Jetzt sah er nach der Aussöhnung Bismarcks mit ihm Männern,die ihn Anfangs der siebonziger Jahre aufs heftigste undschändlichste bekämpft hatten, die Kreuzzeitungspartei unddie Agrarier drohender als je wieder ihre Häupter erheben.Und was das für einen zu gründenden modernen Culturstaatzu bedeuten habe, wusste er nur zu gut, erleben wir aber erstganz in unseren Tagen. Für die Schaffung eines neuen, aufnationaler Basis erbauten modernen Staatswesens hatte Bam-berger seine ganze Kraft einsetzen wollen. Als er einsehenmusste, dass die Konsequenzen der jetzt eingeschlagenen Ent-wicklung auf die Wiederherstellung der Macht des preussischen Junkcrtlmms mit seinen lediglich agrarischen und selbstischenInteressen hinauslaufen müssten, da meinte er sich dem über-all ontge,gehstellen zu sollen. Als der Reichskanzler, der nocham 26. November 1875 sich für die Aufhebung aller Zölle,mit Ausnahme hoher Finanzzölle auf 1015 Artikel, erklärthatte, sich in dem berühmten an den Bundesrath gerichtetenBriefe vom 15. December 1878 zum Principder Z tig-

keit aller über die Kreuze eingehender (legenstände mit Aus-nahme der unentbehrlichen Rohstoffe ausgesprochen hatte,erkannte Bamberger , dass er jetzt nicht mehr mit dem Reichs-kanzler, sondern in den wichtigsten Fragen als ein principieller(iegner gegen ihn zu arbeiten haben werde. M as das heissenwolle, konnte er leicht vorhersehen. Denn der Reichskanzler