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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
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verlangte nicht nur unbedingte Heeresfolge und rasche Be-kehrung zu seinen neuen Ueberzeugungen, sondern sah einenjeden, der diese aus besten Gründen und lediglich vonpatriotischen Motiven getrieben nicht leisten konnte, als seinenpersönlichen Feind an, behandelte ihn danach in seinenParlamentsreden und Hess ilnn in der Fresse durch Bücher,Busch und bedenklichste Lohnschreiber das Uebelste nach-sagen. Und wie wurde diese politische Gegnerschaft in denPrivatverkehr übertragen! Bamberger selbst hat mir wunder-bare Dinge von dem Verhalten hoher Reichsbeamten gegenihn erzählt, nachdem er ganz besonders sich den Zorn deseisernen Kanzlers zugezogen hatte. Dass durch dieses Vor-gehen Bismarcks der Kampf ein immer heftigerer werdenmusste. und am Ende auch der gelassenste und sachlichsteOpponent in Verbitterung hineingetrieben wurde, begreift sichnur zu sehr. Bamberger schrieb schliesslich doch im Hinblickauf diese Art von Kriegsführung gegen ihn:Das Kraft-geheinmiss dieser Art politischer Genialität wurzelt in derunbefangenen Verachtung aller menschlichen und gesetzlichenRücksichten, in dem unbegrenzten Gefühle der Berechtigungdes eigenen Willens, gestützt auf die eigene Intelligenz.Alles, was der von unten liinaufschauenden Menschheit wieIdeal vorkommt, existirt für solches Herrenbewusstsein nurals Inhalt des eigenen Ich (Ges. Sehr. V, 343).

Nach der Entlassung Delbrück » im Mai 1876 trat die Ver-änderung in der Wirtschaftspolitik Bismarcks äusserlich nochnicht sofort ganz deutlich hervor. Das alte Verhältnis» dernationalliberalen Partei zu ihm schien vorübergehend sogar einfesteres werden zu sollen. Von Bamberger» Wohnung aus, inder eine Besprechung der nationalliberalen Parteiführer statt-gefunden hatte, trat im Deeember 1877 Herr von Bennigsendie ominöse Reise nach Varzin an, um mit dem Reichskanzlerüber den Eintritt von hervorragenden Mitgliedern seiner Parteiin das Ministerium zu verhandeln, .letzt weiss man, dass esBismarcks Plan gar nicht war, solche zu gewinnen, sondernnur den Herrn von Bennigsen zu sich herüberzuziehen. Nach-dem diese Combination gescheitert war, trennten sich die