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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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geordnet, da« empfehle er auch dem Abgeordneten Bambergerzu tlum. Dieser, den Bismarck wieder in längeren Aus-führungen angegriffen hatte, liess sieh nicht hierzu herbei.Wahrscheinlich das um so weniger, als er überzeugt war,dass, wenn Bismarck jetzt nicht die Colonialbewegung ge-wollt hätte, er, nach seinen ganzen Anticedentien und oftwiederholten Aeusserungen üben - den Werth der öffentlichenMeinung, der letzte gewesen sein würde, der sich dem Drängenvon Seiten des Volkes gebeugt hätte. Die Heftigkeit, mitder Bismarck hei dieser Debatte Bamberger persönlich an-griff, bewirkte es, dass dieser sich ihm gegenüber seihstliecht zu schaffen suchte, da der Präsident versagte, DerReichskanzler hatte am 15. Januar Bamberger u. A. vorge-worfen,dass er wohl mit dem Bewusstsein gesprochen habe,einem deutschen Mitbürger zu schaden. Hierauf entgegneteder so Angegriffene,nach seiner Meinung sei eine solcheInsinuation parlamentarisch nicht erlaubt, ja noch etwasSchlimmeres, sie sei nicht anständig. Hierauf erfolgte derOrdnungsruf des Präsidenten und Bamberger replicirte :HerrPräsident, das ist zum ersten Male seit meiner 21 jährige«parlamentarischen Laufbahn, dass ich zur Ordnung gerufenwerde, es ist aber auch das erste Mal, dass solche Be-merkungen, wie die des Herrn Beichskanzlers, in der Sacheunbeanstandet durchgegangen sind. Wie Unrecht Bismarck,der seine Energie durch solche persönliche Angriffe auf-frischen zu müssen schien, darin hatte, dass Bamberger nuraus persönlichem Hasse gegen ihn seiner Golonialpolitik op-ponire, zeigte die Zukunft zur Evidenz. Denn Graf Caprivi fand im März 1892 dieselbe Gegnerschaft. Vor allem drangBarnberger darauf, dass man das Schutzgebiet, von Südwest-afrika, mit dem der Patriot Liideritz Deutschland beglückthatte, aufgehe; es sei schlechterdings unproductiv und kostedem Reiche nur Gehl und Blut. Bedenkt man, dass die Ge-sammtnustuhr dieses riesigen Landstriches z. B. im Jahre 1894ganze 106 000 M. Betrug, und welche Notli er uns immer vonneuem macht, so wird man Bamberger in diesem Punkte nichtUnrecht gehen können. Anders gestaltete sich seitdem die