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allgemeine Frage. Sie zu Ungunsten Bambergers zu beant-worten, ist von dem heutigen Stande der Dinge aus, derdamals schlechterdings nicht voraus zu sehen war, leichtgenug. Denn wer konnte die grossen politischen Verände-rungen, die namentlich in Ostasien Hatz gegriffen haben,und die grossartige Entwicklung des deutschen Handels undSeeverkehrs im Jahre 1892 ahnen? Die Unannehmlichkeiten,Unkosten und Gefahren, die ihm für uns durch den furor colo-nialis sicher zu drohen schienen, sind uns auch nicht erspartgeblichen. Auch in betreff unserer Colonialpolitik ist noch Allesim Flusse, und die Zukunft kann erst ihr endgültiges Yerdictsprechen. Das nur scheint mir höchst wahrscheinlich, dassBamberger heute, angesichts einer ganz veränderten Weltlage,und nach den ganz neuen Anforderungen des Weltverkehrs,sieh wie seine nächsten politischen Freunde nicht mehr soablehnend gegen die heutige Oolonialpolitik und Alles, wasmit ihr zusammenhängt, aussprechen würde. Hat er es dochals eine Erfahrung seines vielbewegten Lehens bezeugt, „dasser nur selten Menschen mit eiserner Consequenz gesehen habe,welche mit scharfem Verstände begabt gewesen wären" i Er.>S. 174). Nur gegen eine Welthandelspolitik, die gleichzeitigDeutschland mit einer Zollmauer umgehen will, würde er sichnach wie vor energisch gewehrt haben.
Diese seine Opposition gegen die innere Politik desReichskanzlers und die Colonialbestrebungen trugen Bambergerden Hass der unbedingten Verehrer der neuen Reichspolitikein. ln ihm thaten sich namentlich einzelne Universitäts-professoren, „Prachtexemplare der Kanzlervergötterung 1 ', her-vor. War er früher schon auf „den Servilismus, der sich aufden Universitäten breit mache", nicht gut zu sprechen, sokonnten ihn die Erfahrungen, welche er jetzt zu machenhatte, in seinem Urtheile nicht milder stimmen.
Aber er erlebte auch Erfreuliches. Sein Wahlkreis Alzev-Bingen, mit dem er seit seiner Jugend in Verbindung gestandenhatte, blieb ihm unverbrüchlich treu. Bei den Reichstags-w'ahlen von 1887 wurde er trotz aller Anstrengungen seinerGegner mit grosser .Majorität, von 11075 Stimmen gewählt.