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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen 11 , schrieb er mirin einem ausführlichen Briefe kurz nach dem Sturze desKanzlers, ohne irgend ein Wort der Befriedigung über ihnauszusprechen.

Mit dem von dem zweiten Beiehskanzler eingeschlagenenKurse 11 , der 1891 zu den Handelsverträgen mit ()<»stc*rrcit*h-Fug-arn, Belgien, der Schweiz und andren Staaten und zu-letzt (1894) zu dem wichtigsten von allen, zu dem russischen,führte, konnte Bamberger nur einverstanden sein. Auch derTon, der von dem Grafen Gaprivi gegen den Beichstag an-geschlagen wurde, war ein ganz anderer als der von Bismarckbeliebte. Doch blieben auch mit ihm tiefgehende Differenzen,wie schon erwähnt, nicht aus. Gegen die Golonialpolitik derBcgierung. die. doch einmal begonnen, nicht wieder abzu-brechen war. glaubte sich Bamberger damals noch ablehnendverhalten zu müssen und sprach sich am 5. März 1892 be-stimmt gegen sie aus. Auch über den Militäretat konnte sichder Beichstag mit der Regierung nicht verständigen. Da ihreForderungen am 1. Mai 1893 abgelelmt wurden, lüste dieseden Beichstag auf und es kam zu Neuwahlen, - bei denenBamberger nicht wieder zu eandidiren beschloss.

War er es wohl mit in erster Hilde gewesen, der dieunglückliche Verschmelzung der Secessionisten mit der altenFortschrittspartei betrieben hatte, um eine grosse liberale Parteizu Stande zu bringen, und war er seit dem Bestehen dieserOoalition stets bemüht gewesen, Gonllicte innerhalb derselbenauszugleichen, so fiel jetzt die Partei auch äusserlich vollkommenauseinander. Fine Anzahl der näheren politischen FreundeBamhergers hatte für die Vorlage der Begierung gestimmt,die alten Fortschrittsmänner unter der Führung Fugen liichtersdagegen. Das führte zu dem vollkomme,neu Bruche, den diePersönlichkeit des eigenwilligen Führers der Fortschrittsparteischon längst unvermeidlich gemacht hatte. Die Beibungen inner-halb der eigenen Partei und das Auseinandergeben derselbenverleideten nun Bamberger ganz die parlamentarische Thiitigkeit.War er doch auch nicht mehr so widerstandsfähig als früher.Der plötzliche Tod seines Freundes Heinrich Hornberger (1890).