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Theodor Monnnsen in seinem Nachrufe einen der glänzendstenRedner des 19. Jahrhunderts genannt hat, keinen harmonischausklingenden Abschluss gefunden. In Deutschland ist dasBiirgerthum nicht dankbar gegen seine Vertreter, und inandarf sich manchmal wundern, dass sich noch immer uninter-essirte Leute finden, die für es in den Parlamenten eintretenmögen. Der Staat erweist seine Ehren nur denen, die imDienste der Regierung und in Uebereinstimmung mit ihrenjeweiligen Tendenzen ihren Beruf als Volksvertreter auffassen.Nun, nach diesen Ehren und nach Befriedigung persönlicherInteressen hatte Bamberger nicht gestrebt, als er sich 1867in das parlamentarische Leben hineinstürzte, „um das übelgelittene Wort der Einigung zu predigen“. Aber eine ganzandere Entwicklung der Dinge hatte er sich doch für dieZukunft versprochen. Das Reich war aufgerichtet. Dabei hatteBamberger die unerwartetsten Erfahrungen gemacht. Denn dassdie früher von ihm so scharf angegriffenen Regierungen (lei-kleinen Einzelstaaten sich reichsfreundlicher und liberalenIdeen fast freundlicher gesinnt erweisen würden als der zuvoller Herrschaft in Preussen und Deutschland gekommenekleine Adel, dass die Regierungen überhaupt im Grossen undGanzen sich verständiger zeigen würden als die Majoritätender Parlamente, das hatte er nicht für möglich gehalten.Und dass man ihm bald offen, bald versteckt seine Abkunft,seine Vergangenheit und seine Bestrebungen in einem ToneVorhalten werde, der ihn nur kränken und beleidigen konnte,das hatte erst recht ganz ausserhalb der Voraussicht desoptimistisch gesinnten, sich der Ehrlichkeit seiner Absichtenund seiner nicht ganz unbedeutenden Verdienste um das Wohldes Vaterlandes nicht mit Unrecht bewussten Mannes gelegen.Hieran erkannte er besonders den Wechsel der Zeiten. Dastellte er sich nun der neuen Zeit zwar mit Resignation, aberdennoch keineswegs mit einem gebrochenen Selbstbewusst-sein und in pessimistischer Verzweiflung entgegen. Und dasdurfte er auch, weil er sich seihst, trotz der Gegensätze inseinem äusseren Leben und trotz mancher Schwankungen inseinen politischen Bestrebungen, doch stets treu geblieben