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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
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Tlieiles des deutschen Volks in der Jugendzeit ihres Ver-fassers aus ihnen uns aufs deutlichste entgegentritt, entrollensie uns ferner höchst treffende Culturbilder aus dem PariserLeben der Glanzzeit des zweiten Kaiserthunies, so sindsie für jeden, dem die persönliche Entwicklung einer soeigenartigen Persönlichkeit wie die Bambergers ein inter-essantes Problem ist, doch noch wichtiger. Denn in ihnengiebt er sich ganz wie er war. Nicht als ob sie Confessionenund intime Bekenntnisse enthielten. Diese abzulegen, lag-nicht in seiner Absicht. Moralische Nuditäten zu zeigen, istgeschmacklos; sein eigenes Ich dramatisch vor den Augen desgrossen Publieums in Scene zu setzen, dazu war der Lebens-künstler Bamberger nicht angethan; und Cynismen niederzu schreiben, wie z. B. II. Leo und K. Vogt das fertig ge-bracht haben, lag ausserhalb seiner Natur und Bildung. Mitder Wahrhaftigkeit hat er es darum aber erst recht genau ge-nommen. Wie er nicht davon abzuhalten war, aus Parteirück-sichten die Narrheiten und die Erbärmlichkeiten des ganzenPfälzeraufstandes im Jahre 1849 nicht sofort nach dessenZusammenbruche unbarmherzig aufzudecken, sondern die volleWahrheit über ihn zu sagen, so hat er auch in denEr-innerungen die Zustände seiner Umgebung, die Natur seinerFreunde und Gegner und nicht zuletzt sich selbst in ihnenrückhaltslos gezeichnet. Man ist manchmal verblüfft übereinzelne Indiscretionen, über manche scharfe Ausdrücke. Unddoch gewinnt man bald die »Sicherheit, dass weder Malicenoch Leidenschaftlichkeit hierbei das Wort geführt haben.Dinge und Personen, die der Erzähler mit scharfem Blickedurchschaut und für die er das rechte Wort gefunden zuhaben glaubte, sollten nur mit ihm behaftet bleiben. Unddabei ist doch trotz mancher scharf beobachteten Blosse seinerUmgebungen sein Gesammturtheil über Freund und Feind imGanzen ein mildes. »Sein Humor liess ihm die Thorheitender Menschheit, und bis zu einem gewissen Grade auch ihre»Schlechtigkeiten, in einem heiteren Lichte erscheinen. NurRohheit und Gemeinheit der Gesinnung, Hoclnnuth ohne Ver-dienst, pfiiffische Heuchelei und Herrschsucht konnten ihm