Druckschrift 
Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

kräftige Yerdammungsurtheile entlocken. In religiösen Dingenhöchst skeptisch angelegt, war er gerade «lesshalh sehr be-hutsam, das Empfinden Anderer hierin zu verletzen. Als einAngehöriger eines Volkes, welches von der UnduldsamkeitAndersgläubiger Unsägliches zu leiden gehabt, wollte er sichdaher, ebensowenig wie sein Freund Lasker, an dem sog.Oulturkampfe activ. betheiligen, obwohl ihm die katholischeClerisei mindestens ebenso gefährlich erschien als die luthe-rische Orthodoxie.

Und noch in einer ganz anderen Weise tritt in den ,,Er-innerungen seine Wahrhaftigkeit hervor. Man hat wohlgesagt, ihr Autor sei seinem Vorsätze untreu geworden,in ihnen vor Allem den Oegensatz von einst und jetzt,zwischen der Zeit seiner .lugend und seines Alters, herauszu arbeiten. Statt dessen schiebe er überall seine Personin den Vordergrund, die er besser hätte zurücktreten lassensollen. Ich möchte denen, die so urtheilen, wünschen, siemöchten, wenn sie in die Lage kämen, ihr eigenes Lebenzu erzählen, nicht in den gerügten Fehler verfallen. Dennes ist nur zu natürlich, dass jeder Autobiograph sich seihstin helles Licht zu setzen sucht und leicht manches (tute ansieh entdeckt, das Fremde nicht in demselben Masse finden.Um sich seihst wirklich schlecht zu machen, ist, glaube ich,noch Niemand Selbstbiograph geworden. Wirklicher Vorzügedurfte sich Bamberger aber doch auch bewusst sein. Unddass er sich indirect derselben rühmt und seine Erfolge her-vorhebt, wer möchte ihm das verdenken, ihm, dem äussereErfolge im Leben nicht in dem Masse beschieden waren,wie sie unter anderen Verhältnissen einem so hochbegabtenMenschen nicht versagt gehliehen wären! Er hat sich auch indiesem Punkte in seinenErinnerungen nicht seihst bessermachen wollen, als er war, und hat nichts unterdrückt, wasihn bewegte, erfreute und mit Hochgefühl erfüllte. Er istganz naiv und ehrlich hierbei verfahren und hat sich nochdazu, mit anderen Selbstbiographen unserer Tage verglichen,in recht bescheidenen Grenzen gehalten.

Neben dieser seiner Wahrhaftigkeit tritt in denErinne-rungen ein anderer constitutiver Zug seines Wesens hervor:

ti