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die Liebe und Treue, die er gegen seine Freunde stets be-wahrt hat. Wie er seinen Grundsätzen stets getreu geblieben ist,so auch seinen persönlichen Freundschaften. Wer im 2. Bandeseiner Schriften die Worte gelesen hat. die er verstorbenenFreunden nachgerufen hat, wusste es freilich schon, wie tief erfür die empfand, die seinem Herzen nahe gestanden hatten.Auch allen seinen Kameraden von der Universität her ist ev bisin sein Alter nahe verbunden geblieben. Anderen, not denenihn gemeinsame politische Ueberzeugungen im Laufe derJahre zusammengeführt hatten, und die ihm einmal persönlichbefreundet geworden waren, hat er stets ein gutes Andenkenbewahrt, auch wenn sich ihre Wege wieder getrennt hattenund sie in feindlichen Heerlagern einander gegenüber standen.Er kannte sie und wusste sieh aus ihrer Natur heraus Alleszurecht zu legen. Und nicht nur ein gutes Andenken hat ergar manchem von denen bewahrt, die ihm nicht immer Gleichesmit Gleichem vergolten hatten, er hat sie, wie gar manchenihm persönlich unbekannten Parteigenossen, in der delikatestenWeise thatkriiftig unterstützt. Dass er Söhnen von Freunden inderen Studienzeit peeunilir nachhalf, gelegentlich wohl auchdie Töchter ausstattete, verstand sich für ihn, den Kinderlosen,von selbst. Und noch in seinem letzten Willen hat er zahlreicheFreunde und Freundinnen mit Geschenken reichlich bedacht.Denn er hatte sich in seinem Leben nicht nur Freunde, sondernauch viele hochgebildete Frauen zu Freundinnen gewonnen.Der gesellige Verkehr mit ihnen bildete für ihn einen be-sonderen Reiz seines Lebens, den er nicht entbehren mochte.Von Paris her an ihn gewöhnt, hatte er ihn in Berlin wiedergesucht als eine Erholung und Erheitrung von den rauhenKii u des politischen Lehens. Auf solche Ausgleichungenim Leben war sein Sinn überhaupt, gar sehr bedacht. Nebender Arbeit, im Geschäft und Parlament, hatte er für Poesiesich das feinste Verständnis» bewahrt und kannte die Meister-werke aller Zeiten. Aber auch die Lectürc eines gutenmodernen Romans war für ihn ein Genuss wie die Betrach-tung guter Gemälde. Es ist ganz bezeichnend für ihn, dasser besonders ein Freund der Musik Mozarts war. Kunstkennerzu sein, beanspruchte er übrigens keineswegs. Aber er liebte