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Ludwig Bamberger : eine biographische Skizze / von Otto Hartwig
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alles Schöne. ln Paris hatte er ein Jahrzehnt lang mitWenigem haushalten müssen, sich aber doch kennen höherenKunstgenuss versagt. Als er dann ein reicher .Mann gewordenwar, schmückte er sein Heim mit guten Bildern ein aus-gezeichnetes Portrait Döllingers von Lenbach zierte u. A.sein Arbeitszimmer in Berlin , Büsten und Kunstgegen-ständen. Sein Stolz waren seine auserlesenen Büchersamm-lungen in Berlin und Interlaken . Sonst blieb seine Lebens-führung eine relativ einfache. Aller Pomp und aufdringlicherLuxus waren ihm zuwider. Seinen von Jugend auf schwäch-lichen Körper hatte er nur durch strenges Masshalten sichso lange dienstbar erhalten; nur durch eine weise Ycrtheilungvon Arbeit und (ienuss war er im Stande, sein Lehen fürsich und seine .Mitmenschen so fruchtbringend zu gestalten,wie er das erreicht hat. Mit seltenen Fähigkeiten, einemscharfen Verstände und einer fast unverwüstlich erscheinendengeistigen Elasticität ausgestattet, hat er sich durch langjährigesStudium und Uebung eine philosophische und weltmännischeBildung erworben und eine wahre Herzensgüte, bewahrt, diejene heitere, gelassene, humorvolle und doch sichere undfeste (Irundstimmung seines Wesens erzeugte, in der er siehausgelebt hat.

Bamberger würde seine Selbstbiographie wohl raschergefördert haben, wenn ihn nicht wiederholte Anfälle voncatarrhalischen landen heimgesucht hätten. Auch starb ihmplötzlich sein he,währten - Secretiir. Im Frühjahr 1898 trat

eine noch gefährlichere Hemmung seinen - Thiitigkeit ein. Er

meldete mir in einem dictirten Briefe vom 18. April: .Am

Mittwoch, dem 23. März, spürte iedi plötzlich des Nachmittagsheim Ordnen von Briefen und Papieren ediuni Ruck im Kopfeauf der rechten Sedte. Alsbald verbreitete: sich Unbehagenüber den ganzen Körper, es folgte eine schlechte Nacht, undam andern Morgen scheint mein Aussehen und Oehahrem sobeängstigend gewesen zu sein, dass meine Eingebung nae-helem Arzte schickte, den ie-h zu berufen für überflüssig ge-halten hatte. Nun ahnte ich, was geschehen sei. Ein Schlag-anfall, ein gemässigter, war über mich gekommen. Allmählichstellte sich ein gewisses Envermögen der linken Extremitäten