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Der Todtentanz.
Die Höhe einer gedruckten Seite beträgt 5 Zoll,mit den oben hinausragenden Anfangsbuchstabenuud den unten befindlichen Schreibcrzügcn 5 Zoll7 Lin., die Breite 5 Zoll 7 Lin.
Dieses xylographische Product ist noch fastganz unbekannt. Eine knrze Beschreibung davonbefindet sich in Heller'S „Geschichte der Holz-schneidekunst", Bamberg 1823. 8. S. 335., imMorgenblatt 1323, Ko. 28. und in I. M. v. Rei-dcr'S Bcrzeichniß von Büchern ans dem Nachlassedes Freiherr» Stephan v. Stengel, welche im Juli1823 iu Bamberg versteigert worden sind. Aus derSteugel'schen Auction erstand Dr. Kloß in Frank-furt a. M. dies seltene Werk uud nach dessen Todebei der in London stattgcsnndenen Verstcigeruugseiner Bibliothek 1>>-. Buttler in Shrewöbury.Letztere Schilderung floß ans der Feder dcS fränki-schen MalerS nnd Formschneiders F. K. Nupprecht.
Ein Facsimile von Bild und Schrift siehe beivitiili» , Keniiiiiüoences uk il littsrar^ Ii5e. 1336.II, 962. Beides mag die auf vorstehender Seitebefindliche Nachbildung vergegenwärtigen und Fol-gendes alö Testprobe dienen.
„Ich gibc mich schuldig in dem v.j ^ geböte, dasich vnkeusch dosten. ^ »nid vnlie»schc wcrck vn-gel'ürlich ^ in der «5 mit mancherlei) weise. ^schlafende, oder wachende, vollen ^ bracht h»n.lind vrsnch nit gcmit ^ tcn ha», vnd ander per-sonen lirsl, ^ chr durch wort wundel. vnd werk ^gegel'cn hau: Kienach volgct das vij gcbote."
XVI
Der „DotenDantzmitfiguren.clageund antwort schon von allen staten derwerkt." Diese im Mittelalter und besonders inDeutschland so beliebte Darstellung dcS Todes, wieer unter allerlei Gestalten, wornnter aber immerdas Beingerippc verborgen ist, mit den Menschenaus allen Ständen und Lebensaltern tanzt undsie zu Grabe leitet, beruhet aus der Grundideeder hierarchischen Lehre, daß der Tod mit seinenSchrecknissen ebenso unvermeidlich als die Hölle mitihren Tcuseln sei, wenn nicht das Krcnz vermit-telnd dazwischen tritt. Daher der grelle Abstand
von jener heitern Ansicht der alten Griechen, dasEnde irdischer Dinge durch eine der Pnppe ent-eilende Psyche (Schmetterling) oder durch einendie Fackel senkenden Genius zu versinnbildcn.
Man liebte den Tod mit grinsendem Schädel,mit Stundenglas nnd Hippe in den schroffsten Gegen-sätzen zn allen Blüthen des Lebens, Herrschermachtund Hcldengröße, zn Reichthum uud Jugendfrische,Franenschönheit und Conrtoisie darzustellen.
Dieses höchst merkwürdige xylographische Denk-mal, von dem die Heidelberger Bibliothek das voll-ständigste ganz in Holz geschnittene Eremplar, dieHosbibliothek zu München aber ein Eremplar mithandschristlichem Texte besitzt, enthält 27 Blätter inklein Folio.
Der „Todtentanz " in der königl. Bibliothekzu München (Xylogr. 39.) enthalt 26 illnminirtcHolzschnitte. Der erste und letzte, den Predigervorstellend, hat ein etwas größeres Format, alsdie übrigen 24 Bilder, welche ursprünglich fort-laufende Nnnuncrn haben, um dadurch die Ord-nung, in der sie den Versen angepaßt sind, znbestimmen. Denn daß diese Holzschnitte für denTert verfertigt worden und nicht der Text für dieBilder, sieht man theils aus den beiden Figurendes Predigers zu Anfang und zu Ende, die ineinem blos figurirtcn Todtentanze überflüssig undzwecklos wären, theils aus dem Umstände, daß derVersertiger der Abschrift die eine Seite jedes Blat-tes für die hiuzuzusctzeudeu Figuren offen ließ, vondenen sich weder in der zweiten Münchener, nochin der von Fr. Adelnng in der „FortgesetztenNachricht von den Heidelbergischen Mannscriptenin der Vatikanischen Bibliothek " Seite 317 an-gezeigten Handschrift eine Spur findet.
So wie der Text überhaupt, welchen B. I.Docen im Neuen literarischcn Anzeiger 1306.Ko. 22. S. 343 u. folg. vollständig mittheilt,durch deu bekannten Baseler Todtentanz (der Sagenach nm das Jahr 1439 zum Andenken an die Pest,die damals wüthete, gemalt) veranlaßt wurde: somögen anch diese Holzschnitte, wenn auch nichtunmittelbar nach jenem Originale, doch vielleichtaus einer dunkeln Erinnerung gefertigt wordcusein. Die Zeichnung ist äußerst roh und deutet