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Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung : Ein Denkmal zur vierten Säcular-Feier der Erfindung der Typographie ; Mit einer reichen Sammlung in Holz und Metall geschnittener Facsimiles der seltensten Holztafeldrucke, Nachbildungen von Typen alter berühmter Officinen und Proben von Kunstdrucken nach den neuesten Erfindungen unserer Zeit / von Dr. Karl Falkenstein, Königl. Sächs. Hofrathe und Oberbibliothekar, ...
Entstehung
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Großbritanien und Irland.

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^)^nglands Literarhistoriker und zumal die-jenigen, welche entweder im fünfzehntenJahrhunderte oder diefem zunächst lebten, schrei-ben die Einführung der Buchdruckerkunst Wil-liam Carton, einem Bürger und Kaufmanne vonLondon , zu. Eine zur Schlichtung von Strei-tigkeiten zwischen der Gesellschaft der Stationers,Buchdrucker, Buchhändler, Papicrvcrkänfer u.s. w.,und einer unter der Autorität der Krone druckendenPrivatperson niedergesetzte Commission trat nachernster Prüsuug der Für- und Gegengründe dieserAnsicht bei. Da ward .1642 in der öffentlichenBibliothek zu Cambridge ein düuncr Quartbandmit dem Datum Orsord 1463 aufgefunden und vondiesem Augenblicke an als das früheste in England gedruckte Buch angesehen. Letzteres bestehet nurauS 41 Blättern uud hat die Schlusischrift:Erpo-sitio simcti Jeronimi in simbolo apostolorumad jiapam laurecium Imprrssa Grame rt finitaAnno domini m. rrcc. lrviij." Der Drucker sollteFriedrich Corsellis, einer der Gehülfen Kostcr'sgewesen sein, der unter König Heinrich VI. aufVeranlassung des ErzbischofS Bourchicr das Ge-heimniß zuerst nach England brachte. Obwol nunRichard Atkyns in seiner Schrift:l'Ke Origliüüand xro^vtb ok ^>r!ut!n^" etc. 1664. und nach ihmviele andere Bibliographen jener Annahme bei-stimmten, so hat doch seit »liildleton, vissert-l-tion concorninx tbs ori^in »k pi'illliiig in IZu^tancl,eamdr!6g>?, 1735. 4." eine neuere Forschung dar-gcthan, daß die Jahrzahl 1468 ein Druckfehler für1478 ist, wie deren in der frühesten Geschichte der

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Typographie eben nicht wenige bekannt sind. DerVater der britischen Druckkunst ist

William Carton,

von 1474 bis 1491,

geboren um 1412 und bei William Carge, einemreichen Kaufmann zn London , in allen Zweigen desmerkantilischen Verkehrs unterrichtet. Im Jahre1442 wurde er als dessen Agent nach den Nieder-landen gesendet und zeichnete sich durch seiue Ge-wandtheit so sehr ans, daß König Edward IV. ihnnebst Richard Whetenhall beauftragte, einen Han-delsvertrag mit dem Herzoge Philipp von Burgundabzuschließen. Währeud seines Aufenthaltes andiesem glänzenden und gebildeten Hofe veranlaßteihn die Gemahlin Karls des Kühnen, Margarcthavon Dork, König Edwards Schwester, die damalssehr beliebte Sagensammlung des Hofkaplans NaoulLe FevreKecueü 6<ZS Iii«toii'L« <ts 'l'i-o^e,? " in dasEnglische zu übersetzen. Er begann die Arbeit 1463und übernahm alsdann sogar auch den Druck, wel-chen er zu Cöln , wo er die Kunst wahrscheinlich beiUlrich Zell erlernte, um das Jahr 1471 vollendete.Dieses erste in englischer Sprache, wicwol aufdeutschem Boden gedruckte Buch führt den Titel:Necunell of the historyrs of Trone." Diesergelungene Versuch hatte ihm so viel Geschmack ander neuen Art von Beschäftigung eiugcflößt, daßer einen vollständigen Druckapparat anschaffte, mitdemselben nach England zurückkehrte und dort in derWestminsterabtei eine eigene Officin, die erste inGroßbritcmien, errichtete, aus welcher 1474 das

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