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Die Zettelbank vor dem Reichstag : Versuch einer gemeinverständlichen Darstellung / Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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England , welche ein andermal kaltblütig allem Murrengegenüber ihre Zinsschraube ansetzt, mit vollen Händen Cre-dit ausgetheilt. Und nichts ist lohnender als solche Mittelim rechten Augenblick und in der rechten Manier angewandt.Sie retten meist ohne Opfer das Tausendfache des Gewag-ten; aber weder die Verwaltung einer Bank, die in Mei-ningen sitzt und ihr Leben damit zubringt, von da aus nachGcschästchen in aller Herren Ländern zu pirschen, wird denAntrieb zu solchem Eingreifen fühlen, noch eine Verwaltung,welche blos an die Jahresbilanz ihrer Generalversammlungdenkt.

Die höchste Kraft der Verantwortlichkeit entspringt ausdem höchsten Bewußtsein des Sachverständnisses. Nur werfühlt, daß er die streitige Materie mit der Fülle seiner Er-kenntniß beherrscht, der nimmt auch große Maßregeln aufseinen Kopf. Darum ist die kaufmännische Leitung unent-behrlich, so sehr, daß, wäre man vor die Alternative gesetzt:ob nur kaufmännische Oberleitung oder nur staatliche, ent-schieden fürs erstere Regiment gestimmt werden müßte. InEngland läuft eigentlich die kaufmännische Leitung jahraus jahr-ein allein. Während auf dem Festlande die obersten Beamten(Gouverneur, Präsident) von den Regierungen ernannt wer-den, gehen die englischen alle aus Wahl hervor, und derhöchste Posten, der des Gouverneurs, den die Directorenernennen, wechselt alle zwei Jahre seinen Inhaber. Nurin zwei Dingen, freilich den wichtigsten, behält sich das eng-lische Gesetz die Machtvollkommenheit vor. Zunächst in dernormalen Festsetzung des ungedeckten Notenbetrags. Viel-fach wurde sogar angeregt, man möge das Ausgabedeparte-ment ganz von der Bank getrennt in ein Regicrnngsgcbäude