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Kassels hierher zu versetzen brauchte. Bei der Berufung Hein-rich von Sybels und Johannes Gildemeisters von Bonn 1846hatte man den Kurfürsten geradezu hinter das Licht geführt.Die Kasseler Buchhändler wurden zur Zeit, als die Ernennungschwebte, bewogen, die Exemplare der Streitschriften der ge-nannten Gelehrten gegen den heiligen Rock zu Trier aus ihrenSchaufenstern zu entfernen, damit der Hof nicht zufällig Kundevon ihnen erhalte. Der treffliche Philosoph Theodor Waitz hattesich hier als Privatdozent habilitiert. Nur während des Inter-regnums des Märzministeriums hatte man mit Verständnis fürdie Ergänzung des Lehrkörpers gesorgt. An die Stelle des sofrüh verstorbenen Kirchenhistorikers Rettberg hatte man 1849 denTüchtigsten der Tübinger Theologenschule Ferdinand Baurs,Eduard Zelter, berufen, den einzigen heute noch lebendenLehrer dieser Zeit. Die Vilmarsche Partei erhob einen Sturmgegen diese Berufung in die theologische Fakultät, so daß sichdas Ministerium Eberhard veranlaßt sah, Zelter in die philo-sophische Fakultät zu versetzen. Doch behielt er das Recht,theologische Vorlesungen zu halten.
Einen der bedeutendsten Gegner der Banrschen Schulebesaß damals, wie schon erwähnt, die theologische Fakultätin Heinrich Josias Thiersch . Dieser gelehrte und sittlichvornehme Mann übte einen großen Einfluß auf die Positivgerichtete theologische Jugend aus. Denn er war ein aus-gezeichneter Lehrer und ganz darnach angetan, mit seinermächtigen und doch liebenswürdigen Persönlichkeit auf dieunsicheren Geister zu wirken. Unglücklicherweise war der imGeist seiner philosophischen Lehrer etwas phantastische Mannin die Hände eines Apostels der englischen Sekte der Jrvin-giancr gefallen; und da er die Tendenzen und Eigentümlich-keiten ihrer Lehre mit seiner Auffassung des Urchristentumsin Übereinstimmung stehend zu finden glaubte, zu ihr über-getreten. Die Folge davon war, daß er sein Amt als Pro-fessor der theologischen Fakultät niederlegte, sich aber alsPrivatdozent wieder habilitierte und Vorlesungen hielt. Statt