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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
Entstehung
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allem anderen abgesehen, ein schwerer, ja man darf ohneÜbertreibung sagen, unersetzlicher Verlust für die Kunde deszweiten Kaisertums geworden. Denn es gibt wohl keinenKenner dieses merkwürdigen Produktes der französischen Ge-schichte, der durch persönliche Verbindung mit französischenund nichtfranzösischen Staatsmännern und Gelehrten, durchBeziehungen zu fürstlichen Personen wie großen Geldmännernund durch seinen gleichzeitigen Aufenthalt in Frankreich , inder Provinz sowohl als in Paris , eine solche genaue Kenntnisdieser Epoche und ein durch seine Stellung so objektives Ur-teil über sie besaß, wie Karl Hillebrand . Man kann in derTat nicht ohne lebhaften Schmerz daran denken, was alleinin dieser Beziehung für die Mit- und Nachwelt mit ihm un-widcrbringlich verloren gegangen ist. Mit welchen sicherenZügen würde er das Bild des dunklen Charakters geschilderthaben, der die Geschicke Europas umgestaltet hat und hatumgestalten lassen, mit welchen satten Farben würde er diewunderbare Gesellschaft gezeichnet haben, die sich um denabenteuernden Fürsten gelagert hatte. Wenn natürlicher-weise eine derartige Schilderung auch bei der in sich gespaltenenParteistellung, die das Publikum noch heutigen Tages ein-nimmt, nicht auf eine allgemeine Anerkennung würde habenrechnen können, sie würde sicher doch das Hervorragendstegeworden sein, was die Feder Hillebrands geschaffen hätte:sie würde manche Leser der beiden ersten Bände auch nochzu lebhafterer Anerkennung der Leistung fortgerissen haben,als dies im allgemeinen der Fall war.

Man wird nicht sagen können, daß eine großangelegteGeschichte des neuesten Frankreich unmittelbar nach dem Kriegemit ihm in Deutschland auf ein sehr empfängliches Publikumunbedingt rechnen konnte. Die Neugicrdc der großen Mengeetwas Genaueres über unsere unruhigen Nachbarn jenseitsder Vogcsen zu hören, war durch das WerkFrankreich unddie Franzosen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts"zur Genüge befriedigt. Hatte man doch daneben das Gefühl,