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Aus dem Leben eines deutschen Bibliothekars : Erinnerungen und biographische Aufsätze / von Otto Hartwig. [Hrsg.: Erich Liesegang]
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jüngerer Bruder war nämlich inzwischen von London znmChef des dortigen Hauses avanziert und berief nun denLehrling zu sich. Im Juli 1850 landete der Flüchtlingwieder auf dem Kontinente, um zunächst einige glückliche Tagemit der Braut und deren Mutter in Ostende All verbringen.Wäre es aber nach dem Willen der französischen Polizei ge-gangen, so wäre seines Bleibens in Belgien nicht langegewesen. Denn sie verlangte die Ausweisung aller Flüchtlingeselbst der deutschen, aus dem neutralen Königreiche. Nurdurch die Intervention seines angesehenen Onkels in Brüssel gelang es, den Ausweisungsbefehl unschädlich zu machen.Auch der Aufenthalt in Belgien behagte Bamberger sehr wenig.Er nennt die Bewohner des Landeseine überaus nüchterne,realistische Rasse, mehr als die Holländer". Wäre seinFreund H. B. -Oppenheim, der damals als Flüchtling inBrüssel lebte, ihm nicht nahe gewesen, so hätte er sich geistigganz vereinsamt gefühlt. Seine Beschäftigung, zu der jetztder regelmäßige Besuch der Börse hinzukam, sagte ihm hierganz besonders nicht zu. Auch später war ihm dieser Zweigseiner Tätigkeit sehr wenig erfreulich. Sobald er nur konnte(1863), hat er sich von ihm ganz befreit. Aber vorläufigmußte er noch aushalten. Das Jahr vom Juli 1850 bisdahin 1851 war ihm aber dochdas trübseligste seines Lebens".

Es war nicht die schwere Anklage und Verurteilung, diein diesem Jahre gegen den Flüchtling ausgesprochen wurde,welche ihm traurige Gedanken machte. Darin hatte er schoneinige Erfahruyg. War er doch schon iin November 1849wegen Beleidigung der deutschen Nationalversammlungen (beider Blumfeier begangen) zu zwei Jahren Gefängnis undwegen Amts- und Ehrverletzung der hessischen Armee zu vierMonaten Korrektionshaus verurteilt worden. Jetzt wurde eram 21. März 1851 von den Mainzer Assisen wegen einerganzen Reihe der schwersten Verbrechen, wie Hochverrat usw.mit dermäßigen Strafe" von acht Jahren Zuchthaus be-dacht und in dem folgenden Jahre von den Pfälzer Assisen