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Geschäfte auf den wichtigsten Handelsplätzen Westeuropas gegründet, die einander in die Hände arbeiteten. Von Amster-dam ausgehend, hatte der ältere der Brüder den jüngeren inAntwerpen etabliert, der dann nach der Trennung Belgiens von Holland nach Brüssel übersiedelte und dort ein hochan-gesehcner Bankherr und Politiker wurde. Der ältere Bruderbegab sich 1848 nach Paris und errichtete dort ein rascherblühendes Geschäft. Um den Ring zu schließen, wurdeauch in London ein großes Geschäft unter der Firma Bischosfs-heim, Goldschmidt und Avigdor eröffnet, in das jetzt L. Bam-berger wohl oder übel als Lehrling eintrat. Leicht wurdeihm dieser Schritt nicht. Hatte er früher den stillen Wunschgehegt, eine rein wissenschaftliche Karriere zu ergreifen, undsich dann mit dein Berufe eines Rechtsanwalts in Mainz ab-gefunden, so hatte er jetzt aus dem Schiffbrnche seines äußerenLebens nur die Aussicht auf eine Anwaltpraxis in Amerika gerettet. Der Versuch, den er anstellte, sich in London indie Geheimnisse des englischen Rechts einweihen zu lassen,war nicht verlockend ausgefallen. Da sattelte er notge-drungen um und trat als 26 jähriger Lehrling in das Lon-doner Bankhans seiner Verwandten ein. Dieser Entschlußwurde ihm dadurch leichter gemacht, daß der eigentliche Leiterdes Londoner Hauses, Goldschmidt, ein Heidelberger Or. jur.und ein Mann von gründlichster wissenschaftlicher Vorbildungwar, also Verständnis für seinen Lehrling besaß. Wenndiesem auch die Ausführung der Komorarbeiten und Be-rechnungen nicht erspart blieb, so hatte er bei einer allerdingsrecht angestrengten Tätigkeit sich doch besonderer Berücksich-tigung in der Behandlung zu erfreuen. Elastischen Geistes,wie er war, konnte er die Sonntage zu journalistischen Ar-beiten in deutscher und französischer Sprache benutzen. Dochbefand er sich in London , bei den damals noch besondersengherzigen Lcbensgewohnheiten und Gebräuchen der Engländer,durchaus nicht wohl und ergriff deshalb im Sommer 1850gern die Gelegenheit, nach Antwerpen überzusiedeln. Sein
Hartwig, Aus dcm Lcbcu. 14